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Fliegen in Island – Mit dem Ultraleichtflugzeug zwischen Gletscher und Vulkane

Fliegen in Island – Mit dem Ultraleichtflugzeug zwischen Gletscher und Vulkane

Nun war es soweit. Unser Flug mit dem UL nach Island hatte begonnen. Der Flugplatz Wick in Nordschottland lag hinter uns und vor uns für die nächsten Stunden nur noch der Atlantische Ozean.

Ultraleichtflugzeug über dem Atlantik

Im UL über den Atlantik Kurs Färöer Inseln

Wenn wir auf den Färöer Inseln, – also auf dem Flugplatz Vagar – nicht landen, würden etwa 6 1/2 Stunden Flug über den offenen Nordatlantik vor uns liegen bis wir in Island ankommen. Die Vorbereitungen für diesen Flug wurden in Wick intensiv durchgeführt. Die Technik, das Wetter und die Piloten wurden nach allen Regeln der Kunst geprüft und für gut befunden. Es gab also nichts anderes zu tun als dem Plan zu folgen und den Atlantikflug zu genießen. Und das taten wir…Allerdings haben viele Gesprächspartner (zum Teil auch Piloten) sofort nach der Angst hinsichtlich eines möglichen Absturzes in den Nordatlantik mehrere hundert Kilometer von der nächsten Hilfe entfernt gefragt. Auch ich habe mich mit diesem Thema auseinandergesetzt und entsprechend versucht ganz rational eine objektive Bewertung des Risikos und der Gefahren zu erhalten. Und dies ist die Antwort:

Technik:

Färöer Inseln Ankunft

Färöer Inseln voraus

Mit einem einmotorigen Flugzeug bis zu 6 1/2 Stunden ohne Landemöglichkeit über ziemlich kaltes Wasser zu fliegen ist ein Risiko. Doch das einzig realistische Szenario das zu ernsthaften Problemen führen würde ist ein Motorausfall. Dies kann theoretisch aber immer und überall passieren. Doch wie oft fällt ein erstklassig gewartetes, frisch geprüftes und sehr gut vorbereitetes Triebwerk mit Verschleißteilen auf dem neuesten Stand komplett im Flug aus? Der Statitistik nach ist wohl ein 6ér im Lotto wahrscheinlicher…wenn man alle Flugbewegungen auf unserem Planeten berücksichtigt. Ausfall der Steuerung (Klappen etc) ist unter den benannten Bedingungen noch unwahrscheinlicher.

Färöer Inseln Foto

Färöer Inseln aus der Luft

Und der Ausfall der Navigation und damit Orientierungslosigkeit? Die gute alte Koppelnavigation funktioniert ohne Landmarken nicht. Deshalb bleibt nur die Technik. Wir hatten 3 unabhängig voneinander arbeitende Navigationssysteme mit jeweiliger Software an Bord die mit mehreren unabhängigen GPS Empfängern arbeiten, die wiederum mit eigenen Stromkreisen (Sicherungen) vom Bordnetz und von eigenen Batterien / Akkus als Backup versorgt wurden. Selbst der totale Stromausfall aller Stromkreise und des gesamten Bordnetzes hätte uns nicht ins schwitzen gebracht da für die geplante Strecke reichlich Akkureserve zur Verfügung stand. Lediglich das abschalten des GPS Satellitensystems durch die Amerikaner hätte uns wenig Freude gemacht.

Färöer Insel Dorf

Dorf auf einer Färöer Insel

Aber auch hier gibt es Antworten. Zum einen hätten wir immer noch Funk an Bord und könnten uns helfen lassen und selbst wenn der auch gleich abgeraucht wäre hätte wohl unser Satellitentelefon mit den vorher recherchierten Notfallnummern seinen Dienst geleistet. Und auch wenn das nicht funktioniert hätte….Wenn ich über einen festgelegten Zeitraum einen vorher ermittelten Kurs einhalte…wie wahrscheinlich ist es das ich eine große Insel wie Island aufgrund von Kursabweichungen so verfehle, das ich diese Insel noch nicht einmal am Horizont sehen könnte? Dafür wäre auf einer Strecke von knapp 1000 km mit der angepeilten Mitte von Ostisland über 400 km Kursabweichung (bei klarem angekündigten Wetter) notwendig.

Fug über Färöer Insel

Flug über Färöer Insel mit Pflichtmeldepunkt Mike Yankee

Auch der direkte 180 Grad Umkehrkurs  hätte bei einer leicht südlicher liegenden Kurslinie am Ende ein Flug über Land und damit eine funktionierende Landemöglichkeit bedeutet. Und auch wenn alle nur denkbaren Systeme und Backups ausfallen (abgesehen vom Motor) und wir komplett ahnungslos im Kreis fliegen würden und auch sonst niemand helfen könnte, so hätten wir mit 8 Stunden und etwa 1600 km Reichweite genug Zeit um eine Lösung für zunächst unlösbar erscheinende Probleme zu finden.

Unter allen genannten Bedingungen wäre die Technik definitiv ein Risiko das so minimal ist, das es sich nicht lohnt sich darüber Sorgen zu machen. Ich persönlich glaube das die tägliche Fahrt zur Arbeit wahrscheinlich mehr Potential für technische Probleme hat, da sich hier niemand derart umfänglich darauf vorbereitet.

Ultraleichtflugzeug über dem Atlantischen Ozean

Allein im Ultraleichtflugzeug über der Weite des Atlantischen Ozeans mit Kurs Island

Wetter:

Das Wetter kann insbesondere für VFR Flieger in kleinen Flugzeugen ein echter Spielverderber sein. In der nordatlantischen Wetterküche bilden sich auch zur Sommerzeit gerne Tiefs und bilden Fronten die extrem unangenehm sein können. Tief hängende Wolken am besten gleich OVC (overcast 8/8 Bedeckung), Niederschlag, Sturmwinde, Gewitter, hohe Wellen bei denen einen Notwasserung quasi gleich das Ende bedeuten würde und allgemein keine Sicht durch Nebel, Dunst und andere unerfreuliche Wetterphänomene. Dazu kommt das sich Wetterveränderungen teils auch innerhalb kürzester Zeit ergeben so das sich ein Fenster von nur 6 1/2 Stunden schneller wieder schließen könnte als einem lieb ist.

Flug Richtung Islands Ostküste

Ostisland am Horizont

Die Antwort kann also nur eine Wetterlage sein die ein deutlich komfortableres Wetterfenster zum Flug über den Atlantik bietet. Und man muss sicher sein das eine Landung am avisierten Flugplatz bzw. den Ausweichplätzen möglich ist. Von daher sollte die prognostizierte Wetterlage noch genug Spielraum für Fehleinschätzungen seitens der professionellen Meteorologen und Wetterdienste haben. Damit meine ich das man von der jeweiligen prognostizierten Wetterlage einfach noch eine Stufe schlechter kalkuliert. Wenn die Gegenwindkomponente mit 10 Knoten angegeben ist sollte man auch noch bei tatsächlichen 15 Knoten Gegenwind genug Spielraum haben um sicher anzukommen.

geschlossene Wolkendecke vor Ostisland

Flug über geschlossener Wolkendecke vor Islands Ostküste

Wenn die Wolkenhöhen bzw. die Bedeckung dann doch schlechter ist als prognostiziert etc. darf dies nicht gleich zu Problemen führen. Auf unserem Flug über den Atlantik war für den ganzen Tag sowohl für die Färöer Inseln – also dem Flugplatz Vagar – wie auch für Ostisland mit unserem Zielflughafen Egilstadir klares Wetter vorhergesagt. Wenn dann auch noch ein Anruf auf dem Turm des Zielflugplatzes genau dies bestätigt ist es mehr als unwahrscheinlich das man dann vor Ort das 100 % Gegenteil der prognostizierten Wetterlage vorfindet. Und selbst wenn sich die Sicht im Anflug auf nur 5 km reduzieren würde wäre dies in der Regel kein Problem. Um ganz sicher zu gehen haben wir uns auf drei unabhängigen Diensten über das Wetter informiert.

Dazu gehören das kostenpflichtige PC-met vom Deutschen Wetterdienst. Siehe: www.flugwetter.de 

Flygmet.dk – Sehr gute und kostenlose Wetterinformationen für Nordeuropa (kostenlose Registrierung notwendig) Siehe: https://www.flygmet.dk/Flygmet/pages/login.jsp

Icelandic Met Office – Eine kostenlose und hervorragende Wetterinformation für Island mit extra Informationen für Piloten. Siehe:   http://en.vedur.is/

Island Ostküste

Ankunft an der Ostküste von Island – Tschüss Seenebel

Mit ein wenig Verständnis für Wetterentwicklungen und der Beurteilung was das prognostizierte Wetter für die eigenen Flugfähigkeiten und die des Flugzeuges bedeutet, kann man so eine sehr gute Flugvorbereitung machen. Es ist ratsam insbesondere auf Langstreckenflügen die Windkomponente sehr genau zu beobachten und in der Spritkalkulation zu berücksichtigen. 10 Knoten mehr auf der Nase sind 10 Knoten weniger Geschwindigkeit und damit eine Verlängerung der Flugzeit – also mehr Kraftstoffverbrauch. Bei 1000 km Flugstrecke kommt so ganz schnell 1 Stunde mehr Flugzeit zusammen und dies reduziert natürlich auch die Reserve für Ausweichflugplätze. Außerdem bedeutet mehr Wind über Wasser in der Regel auch höhere Wellen was eine Notwasserung schwieriger macht. Prüfen Sie also regelmäßig ihre Soll- und Istwerte. Generell wird man aber auf einem Flug über den Nordatlantik fast nie das absolut perfekte Traumwetter bekommen. Kompromissfähigkeit ist gefragt. Ein Kompromiss darf aber nie die Fähigkeit am avisierten Zielort bzw. den Ausweichplätzen landen zu können in Frage stellen. Wer sich an diese Regeln hält und sich ggf. noch einmal zusätzlich bei den entsprechenden Wetterberatungsstellen informiert wird mit dem Wetter keine größeren Probleme bekommen.

Piloten:

Fliegen ist überall auf der Welt grundsätzlich gleich. Ob ich auf einer Piste in Deutschland oder in Island lande ist egal. Entweder ich kann fliegen oder ich kann es nicht! Unterschiede gibt es sicherlich durch unterschiedliches Terrain bzw. Klima.

Anflug über Berge von Island

Anflug von Egilstadir über Islands Berge

So ist das fliegen in den Bergen bzw. in größeren Höhen anders als im Flachland. Aber abgesehen von regionalen Unterschieden im Sinne von Luftverkehrsvorschriften oder dem landen und starten auf Schotterpisten (ist in Island reichlich vorhanden) ist auch hier alles eine Frage der Erfahrung. Grundsätzlich ist jeder Pilot in der Lage einen solchen Flug durchzuführen. Viel wichtiger erscheint mir die Frage nach der mentalen und körperlichen Verfassung am Flugtag. Sie sollten ausgeschlafen und körperlich fit sein. Müdigkeit, Schmerzen, Krankheit oder negative Einstellung und Zweifel sind keine gute Basis um möglichen Problemen und den Anforderungen eines Langstreckenfluges gelassen entgegen zu treten. Nicht in Panik zu verfallen wenn die Dinge nicht planmäßig laufen ist von entscheidender Bedeutung um Schwierigkeiten zu meistern. Wenn an ihrer mentalen Verfassung oder der ihres Copiloten Zweifel existieren….lassen Sie es bleiben! Und ein ganz normales menschliches Bedürfnis gilt es auch zu berücksichtigen.

Flugplatz Egilstadir Gegenanflug

Im Gegenanflug am Flugplatz Egilstadir

Wer beabsichtigt über 6 Stunden nonstop in einem Überlebensanzug ohne Möglichkeit zur Landung unterwegs zu sein sollte sich eine Windel anziehen. Auch wenn dies für den Nichtflieger befremdlich klingt ist dies die einzige Möglichkeit souverän mit diesem Thema umzugehen. Wenn Sie diese Notfallvorsoge nicht benötigen ist es auch gut. Aber z.B. auf das trinken zu verzichten und mit jeder Stunde die vergeht seine eigene Leistungsfähigkeit durch Dehydrierung zu reduzieren ist in keinem Fall empfehlenswert. Also halten Sie sich diese Option frei. Auch die Ausrüstung für den schlimmsten Fall war auch schon am Mann. Unsere Überlebensanzüge mit Neoprenfüsslingen, Kopfhaube und Hanschuhe und die darunter getragene warme und lange Unterwäsche würde auch im kalten Nordatlantik dafür sorgen das wir theoretisch über Stunden im Wasser treiben könnten ohne durch Unterkühlung handlungsunfähig zu werden. Unser Rettungsboot sowie Schwimmwesten, Pyrotechnik (Rettungsraketen), Wasservorrat, Verbandszeug und Schneidwerkzeuge, Satellitentelefon etc. waren natürlich auch dabei. Logisch gab es einen Flugplan und gleichermaßen Funkkontakt. Mehr ging nicht!

Ansonsten ein letzter Rat: Egal wie sehr Sie an der Durchführung des Fluges interessiert sind…Setzen Sie sich nicht unter Druck. Niemand kann Sie zwingen einen Flug durchzuführen von dem Sie hoffen das er klappt. Sollte auch nur ein Zweifel an Technik, Wetter oder den Piloten bestehen fliegen Sie nicht! Ein Flug kann anspruchsvoll sein, vielleicht auch stellenweise schwierig. Aber er darf nie gefährlich oder ein Glücksspiel werden. Damit wir uns nicht missverstehen…

Queranflug Egilstadir Flugplatz

Queranflug Flugplatz Egilstadir

Sie können durchaus einmal in schwierigem Wetter fliegen solange Sie jederzeit ihren Flug mit einer sicheren Landung an einem erreichbaren Platz beenden können. Insbesondere in den Bergen und an der See können schon wenige Kilometer bzw. Minuten den Unterschied zwischen CAVOK und Nebel machen. Sollte also der avisierte Landeplatz einfach nicht sicher sein fliegen Sie eben zurück. Auch wenn die im Internet verfügbaren Wetterprognosen und Darstellungen sehr gut sind bleiben dennoch Unschärfen. Ob der in einer Bucht liegende Flugplatz frei von Seenebel ist oder vielleicht doch nicht lässt sich in Island über die Wettermodelle nicht immer ganz präzise ermitteln. Im Zweifel auf dem Turm anrufen. So haben wir mehrfach Flüge erfolgreich durchgeführt die über die Wetterprognose im Internet hinsichtlich der Sichtbedingungen am Landeplatz nicht eindeutig zu erkennen waren.

Egilstadir Flugplatz Ankunft

Ankunft auf dem Flugplatz Egilstadir

Nach diesem Ausflug in die Risiken und Gefahren eines Fluges über den Nordatlantik kann ich Ihnen meine Antwort hinsichtlich der Angst vor so einem Flug geben. Ich hatte keine Angst! Ich genoss das einmalige Gefühl so weit weg zu sein…allein mit der Natur, dem Ozean der nur wenige Meter unter uns lag. Gelegentlich sahen wir einige Möwen. Ansonsten nur Wasser und Wolken. Keine Schiffe, keine Bohrinseln, keine Windräder, keine anderen Flugzeuge nichts…Es ist ein Unterschied ob Sie zwischen 1000 und 5000 Fuß über den Atlantik fliegen oder mit über 30000 Fuß wie es die Airliner tun. Hier unten hat die Weite des Atlantischen Ozeans eine ganz andere Dimension. Toll. Die Abgeschiedenheit dieser Welt übt eine ganz eigene Faszination aus. Ob Begeisterung, Langeweile oder Beklemmung…ich bin sicher das es für jeden der so über den „großen Teich fliegt“ ein sehr eindrückliches Erlebnis bleibt. Man hat einfach viel Zeit um über die Dinge dieser Welt nachzudenken.

Flugplatz Egilstadir in Island

Der Flugplatz in Egilstadir

So sahen wir nach etwa 3 Stunden die Färöer Inseln am Horizont. Zunächst nur ein grauer Schatten über dem Wasser wurden die 18 Inseln die zum dänischen Hoheitsgebiet zählen schnell größer und so flogen wir südlich entlang dieser kleinen Inselwelt in der Mitte des Atlantiks weiter nach Westen. Der Controller in Vagar forderte uns auf über Land mindestens 4000 Fuß Flughöhe einzuhalten. Uns so stiegen wir während unseres Vorbeifluges an den Färöer Inseln bis auf 4000 Fuß da wir uns direkt über der letzten Insel dem Pflichtmeldepunkt Mike Yankee noch einmal abmelden sollten. Da sich Mensch, Maschine und Wetter im Optimalzustand befanden und auch die kalkulierten Verbrauchswerte sprich Spritmengen vorhanden waren gab es keinen Grund noch eine Zwischenlandung in Vagar einzulegen. Zumal uns dies noch später nach Island bringen würde wo wir ja auch noch eine Übernachtung für uns organisieren müssten. Und am nächsten Tag hätten wir aufgrund des Wetters möglicherweise nicht weiterfliegen können. Also Kurs direkt nach Egilstadir Island.

Egilstadir Campingplatz

Rezeption vom Campingplatz in Egilstadir

Unser Flug begann aufgrund der Wolken am Anfang in niedriger Flughöhe. Als wir aus dem mäßigen Wetter herauskamen und Richtung Färöer Inseln flogen hatten wir deutlich weniger Wolken und freie Sicht auf den Atlantik. Etwa 1 1/2 Flugstunden nach den Färöer Inseln zeigten sich tiefe Wolken die zunehmend dichter wurden und schließlich geschlossen waren. Da die Wolken ein gutes Stück unterhalb unserer 4000 Fuß Flughöhe lagen beschlossen wir in jedem Fall on the Top also über den Wolken und ohne Sicht auf den darunter liegenden Atlantik weiter zu fliegen. Nach knapp weiteren 1 1/2 Flugstunden sahen wir am Horizont dunkle Punkte die über den Wolken standen und mit weißen Kappen garniert waren. Island. Schnell wurden die schneebedeckten Berge Islands größer und die Dramatik dieser unglaublichen Naturkulisse nahm mich gefangen. Noch leicht berauscht von der Weite des Ozeans der hinter uns lag sah ich das Land aus Feuer uns Eis vor mir. Die Wolken und der Seenebel griffen mit aller Macht nach diesem Land, wollten es in Besitz nehmen und schafften es doch nur wenige Meter in die Fjorde der Osküste.

Flugplatz Borgafjördur

Der „Turm“ vom Flugplatz Borgafjördur

Dort strahlte die Sonne und die Berge bildeten eine Bastion dem auch der Atlantik nichts entgegen zu setzen hatte. Wow…was für eine Vorstellung. Weiter ging es entlang der Flanken und Schneegipfeln der Berge nach Egilstadir. Der Flugplatz Egilstadir ist der offizielle Zollflugplatz für Flieger aus Schottland / Europa. Und so wurden wir sofort nach der Landung von einer pflichtbewussten Zöllnerin am Flugzeug begrüßt. Und das auszufüllende Formular mit Fragen wo wir denn herkommen, dem Wohnsitz und ob wir etwas zu verzollen hätten etc. hatte absolut Vorrang. Die 27 Grad Celsius vor Ort, die Tatsache das wir in unseren Überlebensanzügen auf dem Vorfeld gerade verdampft wurden und 6 1/2 Stunden Flug über den Atlantik ohne Toilette hinter uns lagen waren definitiv nachrangig…. Das Prozedere dauerte aber nur 5 Minuten und wir haben es überlebt 🙂

Flug zum Flugplatz Höfn

Der Versuch nach Höfn zu fliegen

Nachdem wir das Flugzeug und uns selbst soweit klar gemacht haben ging es noch schnell in das Flugplatzrestaurant wo ich mir ein recht teures Bier und einen Snack gönnte. Danach machten wir uns auf den Weg zum nicht weit entfernten (auf der gegenüber dem Flugplatz liegenden Seite des Fjordes) Campingplatz den wir in etwa 20 Minuten Fußweg erreichten. Dort standen leider keine Übernachtungshütten mehr zur Verfügung so das wir unser Zelt aufbauten. Allerdings war der Campingplatz doch recht belebt und die recht kleine Sanitäreinrichtung entsprechend gut besucht. Schlange stehen für eine Dusche ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig…aber nach diesem langen Tag im Überlebensanzug ohne jede Alternative. Herrlich so eine Dusche….Aber wo ich gerade bei dem Stichwort langer Tag war: In Island geht die Sonne im Sommer nicht unter! Es wird nicht dunkel und die Mitternachtssonne macht deutlich wo man sich befindet.

Djupivogur Flugplatz

Irgendwo im Nirgendwo – Djupivogur Flugplatz

Nicht weit entfernt vom Polarkreis. Und so gab es nicht nur 2 Stunden Zeitverschiebung (bei dem Hinflug also 2 Stunden längerer Tag) zu verarbeiten sondern quasi dauernd Tag. Dies führte dazu das auf dem Campingplatz  noch bis um Mitternacht recht viel los war. Kinder spielten Fussball und die Leute unterhielten sich in den Zelten und Campingwagen. Doch dann kehrte Ruhe ein bis um etwa 3 -4 Uhr Morgens ein Landwirt sein Heu einfuhr. So viel zum Thema Ruhe in der Natur. Am nächsten Morgen beschlossen wir dann auch weiter zu reisen und verabredeten uns mit einem sehr netten Ehepaar die uns schon am Vorabend und auch zum Frühstück auf einen Tee einluden und mit dem Auto ihre Islandrundfahrt Richtung Borgafjördur fortsetzen wollten.

Flugplatz Schotterpiste in Djupivogur

Schotterpiste des Flugplatzes in Djupivogur

Und daraus entstand die Idee gemeinsam am Nachmittag bzw. Abend zu essen. Mobilfunknummern wurden ausgetauscht und so gingen wir Richtung Flugplatz. Direkt an der Straße vom Campingplatz zum Flugplatz in Egilstadir liegt ein witziges Internetcaffee. Dort gibt es nicht nur ein gutes Frühstück sondern auch freies W-Lan. Das Wetter sah gut aus und wir beschlossen nach einem Einkauf in Egilstadir, wo sich Harro noch neue Wanderstiefel besorgen musste (die alten hatten schon in Porta Westfalica den Geist aufgegeben) sowie Lebensmittel und Telefondatenkarte, nach Borgafjördur zu fliegen. Vorher haben wir noch schnell AVGAS am Flugplatz getankt und dann ging es gegen 15.00 Uhr am Nachmittag los. Per Flugzeug war der Weg aber in etwa 45 Minuten erledigt und unsere neuen Bekannten erwarteten uns schon an der Schotterpiste von Borgafjördur. Nach der ersten etwa unruhigen Nacht auf dem Campingplatz gelang es diesmal trotz Saison noch ein Zimmer in einem Hostel direkt im Ort zu besorgen. So saßen wir noch bis in den späten Abend draußen auf dem Rasen direkt am Wasser, genossen bei warmen Temperaturen das schöne Essen und trafen nebenbei noch andere Leute aus allen teilen Europas die im Hostel übernachteten.

Flug nach Skaftafell Island

Flug nach Skaftafell vorbei an Höfn

Mit einem Preis von umgerechnet etwa € 58,– für das Zimmer und 2 Personen war dies für Island auch recht günstig.

Am nächsten Tag gingen wir zu Fuß vom Hostel zum Flugplatz wo die CT immer noch alleine auf uns wartete. Der Betrieb auf den kleinen isländischen Flugplätzen ist so gering das man so gut wie keine anderen Flugzeuge sieht. Da die Plätze in den meisten Fällen auch nicht besetzt sind gibt man per Funk einfach Blindmeldungen bei Start und Landung auf den jeweiligen Frequenzen durch. Eine Besonderheit auf Island ist jedoch das man vor jedem Flug per Telefon einen Flugplan aufgeben muss. Dieser Flugplan ist aber gegenüber den deutschen Flugplänen eher abgespeckt.

Skaftafell Flugplatz Anflug

Anflug Richtung Skaftafell Flugplatz

So gibt man an den nächsten größeren Flugplatz der quasi durchgehend besetzt ist (in unserem Fall Egilstadir) das Flugzeugmuster, den Startort, den Landeort, die voraussichtliche Flugzeit und die beabsichtigte Flugstrecke durch sowie die Zahl der an Bord befindlichen Personen und schlussendlich die Endurance also die entsprechend der getankten Kraftstoffmenge mögliche Reichweite des Flugzeuges. Nachdem man gelandet ist ruft man wieder an und schließt den Flugplan. Dies ist eigentlich recht unkompliziert und dient dem Schutz der Flugzeugbesatzung. Denn anders als in Deutschland gibt es in Island so viel unbewohnte Landschaft das eine Notlandung oder ein Unfall mit Verletzten allein aufgrund der Wartezeit auf die Rettungskräfte böse enden kann, wenn die Retter nicht genau wissen wo sie suchen müssen. So erzählte uns der Controller auf dem Turm in Egilstadir das kurz vorher eine französische Cessna 172 vergessen hatte den Flugplan zu schließen, was dazu führte das ein SAR Helicopter zur Suche aufgestiegen ist.

Flugplatz von Skaftafell

Gastgeber für eine Nacht – Skaftafell Flugplatz

Also daran denken…. nach der Landung in Island immer bei der Flugleitung anrufen und den Flugplan schließen!

Die Idee war an diesem Tag zunächst nach Höfn zu fliegen um dort noch einmal nachzutanken. Das Wetter war nicht ganz eindeutig und so beschlossen wir vor Ort zu schauen ob eine Landung möglich ist. So flogen wir an der Ostküste Richtung Süden und stellten fest das die Bucht von der der Flugplatz Höfn anfliegbar ist vollständig im Seenebel lag. An eine Landung war so nicht zu denken und so flogen wir wieder an der Küste Richtung Norden zurück und landeten wenige Minuten später auf dem Flugplatz Djupivogur. Das eigentliche Tagesziel Skaftafell war so leider nicht zu erreichen.

Ultraleichtflugzeug CTSW in Skaftafell

Unser Ultraleichtflugzeug CTSW von Flight Design in Skaftafell Island

Für den Abend war eine Wetterbesserung prognostiziert aber dummerweise wäre der Flugplatz Höfn nur bis Uhr 18.00 geöffnet gewesen und wir hätten ohne nachtanken kaum noch genug Kraftstoff gehabt um vom Flugplatz Skaftafell der direkt am Fuß von Europas größtem Gletscher dem Vatnajökull  liegt weiter zu fliegen. Fazit: Aufgrund des Wetters konnten wir erst später Richtung Süden weiterfliegen. Aber dann hätten wir kaum noch Sprit…. So bliebe eigentlich nur noch eine Überachtung im Zelt an der Schotterpiste von Djupivogur oder…. – und die Idee kam uns in einem Restaurant im Ort – wir schauen ob es im Ort eine Tankstelle gibt um von dort das bevorzugte Mogas zu bekommen. Und Bingo… es gibt eine automatische Tankstelle in Djupivogur. Direkt vor dem örtlichen Supermarkt kann man mit einer Kreditkarte direkt an der Tanksäule Autobenzin mit 95 Octan bekommen. So beschlossen wir die Zeit sinnvoll zu nutzen und wanderten 2 x mit jeweils 20 Litern Kraftstoff vom Fluplatz zur Tankstelle und zurück.

Besucherzentrum Skaftafell Nationalpark Island

Das Besucherzentrum vom Skaftafell Nationalpark

Der Weg war mit gut 1,5 km nicht ganz kurz aber immerhin hatten wir nach insgesamt etwa 6 km Wanderschaft 40 Liter mehr im Tank und konnten so mit günstigerem und besseren Kraftstoff locker nach Skaftafell fliegen.

Der Flugplatz Skaftafell ist ein privater Flugplatz von dem aus auch Rundflüge in einem zweimotorigen Flugzeug über Island angeboten werden. Die Flugplatzbetreiberin erlaubte uns freundlicherweise unser Zelt direkt neben dem Flugzeug aufzubauen da es schon spät war. Und so übernachteten wir bei deutlich niedrigeren Temperaturen und mit wenig Schutz vor dem Wind direkt an der Schotterpiste. Auch im Sommer liegen die üblichen Temperaturen auf Island bei ca. 12-16 Grad Celsius. Hochsommerliche Temperaturen wie bei unserer Ankunft sind eher die Ausnahme.

Hundavoss im Skaftafell Nationalpark

Der Wasserfall Hundavoss im Skaftafell Nationalpark

Am nächsten Morgen standen wir extra etwas früher auf um rechtzeitig das etwa 2 km entfernt liegende Besucherzentrum mit Campingplatz zu erreichen, von dem aus Gletscherwanderungen rund um den Vatnajökull angeboten werden. Dort kann man verschiedene Touren von 1,5 bis 15 Stunden buchen und lernt dabei einiges über die geologischen Hintergründe Islands und natürlich über den Gletscher selbst. Die erste 4 stündige Tour für die wir uns entschieden hatten, die morgens um Uhr 9.00 startete, war leider schon ausgebucht so das wir die zweite Tour ab Uhr 13 buchten. So nutzten wir die Zeit um noch eine kleine Wanderung auf dem hinter dem Besucherzentrum liegenden Wanderwegen zu machen. Diese Wanderung führten uns etwa 7 km durch die Berge und wir konnten zunächst den kleinen Hundavoss und später den größeren Svartivoss bewundern.

Svartivoss im Skaftafell Nationalpark

Der größere Svartivoss im Skaftafell Nationalpark

Der Name Voss steht in Island für Wasserfall. Und davon gibt es in diesem großartigen Land viele. Wo Gletscher, regelmäßige Niederschläge und geologische Aktivität zusammen kommen können Wasserfälle nun einmal nicht weit sein. Es ging auf dieser ersten Wanderung doch recht steil rauf und runter so das ich als „Flachlandtiroler“ zwar nicht meine Grenzen erwanderte jedoch feststellen musste das eine gewisse Grundkondition für 7 km Berge notwendig ist.

Nachdem wir im Besucherzentrum ankamen ging es auch bald darauf los mit der zweiten Tour auf den Vatnajökull Gletscher. Hierfür wurden wir mit Steigeisen an den Schuhen, einem Klettergurt, einem Eispickel und Handschuhen ausgestattet. Trekking- bzw. Kletterstiefel kann man sich ggf. auch vor Ort leihen.

Vatnajökull Gletscherzunge

Ende einer Vatnajökull Gletscherzunge

Aber mit ordentlichen Trekkingschuhen wie ich Sie hatte hat es auch funktioniert. Generell empfehle ich insbesondere für diejenigen die deutlich mehr auf Island wandern möchten hohe Wander- bzw. Kletterstiefel da diese die Fußknöchel und Gelenke doch besser stützen. Wir fuhren mit einem Kleinbus an den Rand des Gletschers und bekamen vor betreten des Eises eine Einweisung wie man die Steigeisen an den Schuhen befestigt und danach haben wir direkt das gehen und klettern damit geübt. Wir folgten unserem Tourguide über den Gletscher der uns viel über den Ursprung der Gletscher auf Island, die Vulkane und die geologischen Hintergründe erklärte. Es ist schon faszinierend wenn man inmitten dieser Eiswelt geht, in Gletscherspalten blickt und die im Gletscher beweglichen Wassermassen erlebt.

Vatnajökull Gletscherzunge

Von Vulkanasche geschwärzter Vatnajökull Gletscher

So ist der Vatnajökull und auch andere Gletscher einem äußerst dynamischen Veränderungsprozess unterworfen. Die Gletscher können sich pro Woche mehrere Meter weiter bewegen so das der Gletscher von heute schon in einer Woche wieder ganz anders aussehen wird. Ebenso sieht man aber auch die Veränderungen durch die Erderwärmung. Die meisten Gletscher schmelzen leider immer weiter ab. Und was noch vor 20 Jahren unter meterhohen Eismassen begraben lag ist heute für jeden zu sehen. Ein Beleg für die Klimaerwärmung sind auch die Eislagunen also die aus geschmolzenem Gletscherwasser bestehenden Seen am Fuße des Gletschers in denen kleine Eisberge schwimmen. Hier werden übrigens auch Bootstouren angeboten die sicherlich ein faszinierendes Erlebnis sind aber doch nur ein Zeugnis für alarmierende Veränderungen des Klimas. Der Vatnajökull hat in den letzten 100 Jahren über 2 km seiner Länge in Richtung des Ozeans verloren.

Gletscherspalten im Vatnajökull

Gletscherwanderung an einer Gletscherspalte

Selbst dieser bis zu 800 m dicke und 8100 km² große Eiskoloss wird bald nur noch Geschichte sein wenn sich die Klimaerwärmung so dynamisch fortsetzt. Es liegt an uns dies zu verhindern! Und es ist nicht übertrieben wenn ich Ihnen empfehle diese Wunder der Natur so bald wie möglich selbst zu besuchen so lange sie noch da sind. Nehmen Sie ihre Kinder mit. Zeigen Sie ihnen die Gletscher der nördlichen Hemisphäre und lassen Sie sie eintauchen in die Schönheit dieser Eiswelten. Wenn man Dinge selbst erlebt und angefasst hat entwickelt man eine andere Beziehung dazu. Vielleicht sind unsere Kinder schlauer als wir und setzen sich mehr für den Erhalt unserer Umwelt ein.

Eislagune des Gletschers Vatnajökull

Eine Eislagune des Vatnajökull

In Island sind die Gletscher aber auch Zeugen der vulkanischen Aktivität. Von Vulkanasche dunkel gefärbtes Eis und gewaltige Wassermassen die bei dem Ausbruch eines Vulkans freigesetzt wurden haben die Landschaft nachhaltig verändert. Angesichts dieser Kräfte der Natur wird der Mensch sehr sehr klein. Deshalb empfinde ich die Vogelperspektive die man als Pilot hat um so eindrucksvoller. Man fliegt über ein Land das mit seinen Eiskappen und unglaublichen Felslandschaften doch nur einen sehr dünnen Deckel über einen gewaltigen Kochtopf gelegt hat. Ich verstehe jetzt warum Jules Verne´s Reise zum Mittelpunkt der Erde auf Island begann.

Steigflug über den Vatnajökull

Steigflug auf über 5000 Fuss am Vatnajökull

Am Ende unserer Gletschertour gingen wir wieder zurück zum Flugplatz und überlegten ob wir noch am gleichen Tag in den Norden nach Husavik fliegen sollten da ich dort unbedingt noch zum Whale Watching wollte. Ich habe noch nie große Wale live gesehen und im Sommer ist Island ein Hotspot um genau das erleben zu können. Da die Wettervorhersage für den nächsten Morgen aber auch fliegbares Wetter prognostizierte beschlossen wir nach diesem langen Wandertag unser Zelt auf dem Campingplatz in Skaftafjell aufzubauen, da wir hier zumindest Waschmöglichkeiten und Toilette hatten. Am nächsten Morgen ging es dann aber zunächst zum Flugplatz Fagurholmyri der nur wenige Flugminuten von Skaftafjell entfernt liegt und bei dessen Überflug wir 2 Tage zuvor eine Tankstelle aus der Luft erspäten.

Blaues Eis des Vatnajökull Gletscher

Das blaue Eis des Vatnajökull im tiefen Überflug

So besorgten wir uns wie schon zuvor in Djupivogur mit den mitgebrachten Benzinkanistern noch einmal Mogas an der Automatentankstelle im Ort (waren aber nur 3-4 Häuser) und flogen dann direkt über die Eismassen des Vatnajökull Richtung Norden. Der höchste Punkt Islands liegt hier und so stiegen wir auf knapp 6000 Fuß und passierten Europas größten Gletscher in geringer Höhe. Vor uns lag die isländische Hochebene. Schroffe Berge, karge Mondlandschaften und Vulkankegel. Und mit dem Askja lag ein Vulkan direkt auf unserem Flugweg und lud uns ein seine Größe und Pracht genauer zu betrachten. Gesagt getan. Also direkt über den Rand rein in den Krater…

Woken und Schnee über dem Vatnajökull

Wolken und Schnee nicht zu trennen…

Der Flug durch den Vulkankrater des Askja war schon klasse. Wolken waberten am Rand und im Krater lag ein großer See so das wir ohne Probleme entlang der Flanken des Kraters unsere Kreise ziehen konnten. Nach diesem Abstecher ging es auch gleich weiter und wenig später sahen wir schon Myvattn vor uns liegen. Myvattn ist ein Ort mit einem See der durch seine Ausstrahlung beeindruckt. Origninal Hinweis auf unserer Tourikarte: FEW WORDS DO JUSTICE TO THIS PLACE. IT IS LIKE BEING ON ANOTHER PLANET. Aber das Ziel war Husavik und dort waren wir auch schon im Anflug.

 

 

Askja Vulkan Island

Der Vulkan Askja voraus

 

Flug im Krater vom Askja Vulkan

Rundflug im Krater vom Askja Vulkan

Der Flugplatz Husavik hat aber einen entscheidenden Nachteil…er liegt etwa 10 km außerhalb des Ortes und es gibt dort weder Busverbindungen noch Taxis. Wie so oft vertrauten wir auf unser Glück und wurden nicht im stich gelassen. Zufällig wollte der Türmer des Flugplatzes in 20 Minuten in die Stadt fahren und bot uns an uns mitzunehmen. Mangels Alternativen nahmen wir das Angebot gerne an. So kamen wir 15 Minuten vor Abfahrt eines Whale Watching Bootes also kurz vor Uhr 13.00 an und haben gleich Karten gekauft. Für 4 Stunden Whale Watching kostet dies pro Person € 52.

Myvatn Island

Flug über Myvatn Flugplatz

 

Husavik Island Hafen

Der Hafen von Husavik

Bei herrlichem Sonnenschein legten wir ab und waren schon ganz gespannt ob der forsche Spruch des Verkäufers wenn wir keine Waale sehen sollten würden wir so lange an den Touren teilnehmen können bis wir Wale sehen Anwendung finden würde. Aber die Sorge war unbegründet. Wir sahen Wale. Große Buckelwale hielten sich in der Bucht von Husavik auf um sich den Bauch vollzuschlagen. Wie uns die Whale Watching Experten erklärten kommen die Wale im Sommer gerne nach Island und ziehen sich in Winter wenn die Temperaturen fallen und die Nahrungsquellen nicht mehr so üppig vorhanden sind wieder in den Süden zurück.

Buckelwal Husavik Island

Buckelwal in Husavik

Hierbei legen Sie mehrere tausend Kilometer zurück. Und es ist schon beeindruckend diese große Tiere live neben den „kleinen“ Whale Watching Schiffen zu sehen. Bis zu 13 Meter kann so ein Buckelwal lang werden. Aber die sind auch manchmal kleine Spielverderber…man muß schon ein wenig Glück haben wenn man die Wale beim auftauchen perfekt vor die Linse haben möchte. So bekommt man meistens nur den langen Walrücken auf die Fotos da der Kopf ja schon wieder weg ist wenn man merkt das gerade ein Wal auftaucht. Allerdings ist Whale Watching wohl auch ein recht lukratives Geschäft.

Whale Watching Husavik Island

Whale Watching in Husavik

Es gibt in Husavik mindestens 3 Whale Watching Anbieter und die starten ihre Touren zeitversetzt. Dennoch war jedes Boot das wir gesehen haben recht gut besetzt. Auf unserem Boot waren geschätzt 30 – 40 Personen. Rechnen Sie mal nach. Wenn 3 Anbieter jeweils 3 Touren pro Tag fahren was dann geschätzt an Umsatz gemacht wird…Auch wenn der Tag an dem wir dort waren nicht repräsentativ sein sollte scheint das Interesse am Whale Watching sehr groß zu sein. Und Husavik ist nicht der einzige Ort auf Island von dem aus man Wale beobachten kann. Ob dies Auswirkungen auf das Verhalten der Wale hat kann ich nicht beurteilen.

Husavik Whale Watching Boote

Boote von Whale Watching Anbieter in Husavik

Im Anschluss an unsere Whale Watching Tour genossen wir ein leckeres Fischgericht in einem Restaurant am Hafen. Die warme Sonne und die gemütliche Atmosphäre in Husavik machten das relaxen nach diesem Erlebnis leicht. Aber nach der Kür kam die Pflicht…und die hies: Wie kommen wir zurück zum Flugplatz? Schließlich wollten wir wenn möglich noch zu einem anderen Flugplatz fliegen bzw. zurück nach Skaftafell. Das Wetter war wie üblich auf Island leicht durchwachsen und damit nicht 100 % eindeutig vorhergesagt aber das alles wäre egal wenn wir nicht wissen wann und ob wir überhaupt zum Flugplatz zurück kämen. Unser Whale Watching Anbieter konnte uns nicht helfen eine Mitfahrgelegenheit zum Husavik Airfield zu organsieren und verwies uns an die Touristeninformation im Ort. Dort konnte man uns auch nicht helfen denn es gibt dort weder Taxis noch Linienbusse die zum Flugplatz fahren.

Dettivoss Wasserfall

Flug über den Dettivoss Wasserfall

Die Empfehlung dort hieß hitchhiken also trampen. So versuchte ich mein Glück mit dem Daumen nach oben als wir an der Straße Richtung Flugplatz entlang gingen. Nur das Glück wollte sich nicht einstellen. Alle Autos fuhren weiter. Als wir dann Richtung Ortsausgang kamen und ich mich schon auf einem „ätzend langen Fußweg“ an einer trostlosen Landstraße zum Flugplatz sah beschloss ich die Strategie zu ändern. Denn dort lag ein Supermarkt und eine Tankstelle. Und was der Daumen nicht zu kommunizieren vermag kann der Mund mit Sicherheit besser. Also sprach ich die erstbeste Supermarktbesucherin beim aussteigen auf dem Parkplatz an und schilderte ihr unser Dilemma und fragte Sie ob Sie uns irgendwie helfen könnte.

Flug in den Süden von Island

Flug zurück nach Südisland

Und was soll ich sagen… Sie konnte. Nachdem Sie ihren eigenen Einkauf nach knapp 10 Minuten beendet hatte brachte Sie uns in Höchstgeschwindigkeit mit ihrem Auto zum Flugplatz obwohl dies nicht ihre Richtung war. Also auch hier zeigte sich wieder einmal das man im Gespräch mit Menschen unglaublich viel Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft findet. Noch einmal ein großes DANKESCHÖN für diesen Transport.

Zurück am Flugplatz Husavik checkten wir noch einmal das Wetter und auch der Anruf in Skaftafell bestätigte das das Wetter fliegbar war. Wir machten uns auf den Weg zurück in den Süden und erlebten noch einmal unglaubliche Landschaften.

Island Landschaften

Islands Landschaften

Der Wasserfall Dettivoss lag unter uns und auch die um ganz Island herumführende Ringstraße wurde wieder von uns gekreuzt. Die Weite und Einsamkeit dieses Landes und seine Farben hinterließen an diesem späten Tag erneut Erinnerungen für das ganze Leben. Die tief stehende aber immer währende Sonne tauchte Island in ein eingtümliches Licht. Braunes Wasser und Sand auf schwarzem Vulkanstein…mäandernde Flüsse und Wolkenformationen sorgen für eine Symphonie der Sinne. Abhängig von der eigenen Stimmung variiert diese in Dur oder Moll. Aber es bleibt in jedem Fall ein Meisterwerk der Natur! Der schweigende Genuss dieser Momente ist der Grund für diese Reise und jeden einzelnen Flug.

Rundflug Vatnajökull Island

Rundflug über den Vatnajökull Gletscher

Man kann diese Momente nicht buchen…man kann sie nicht kaufen…man kann sich nur auf den Weg machen um seine eigenen Grenzen hinter sich zu lassen und der Natur und dem Glück den größtmöglichen Raum zu geben. Hierzu gehört auch das Risiko zu scheitern. Aber nur durch die Bereitschaft dies zuzulassen sind sie in der Lage an Orte zu fliegen und Momente zu erleben die ihre ganz eigene Magie haben. Und glauben Sie mir…wenn sich die grauen Schleier eines Schauers dem sie gerade noch zwischen Bergen und unter anspruchsvollen Bedingungen ausweichen mussten lichten und Sie unterhalb von Wolken durch eine Lücke zwischen zwei Berggipfeln hindurchfliegen und

Eisberge in Eislagune Island

Eisberge in einer Eislagune

sich dahinter bei strahlendem Sonnenschein ein Regenbogen in den blauen Himmel über einen Gletscher spannt den Sie jetzt überfliegen….DANN IST DAS MAGIE!

Bald darauf lag die Runway von Skaftafell vor uns es sollte meine letzte Landung auf Island werden. Harro plante eine längere Trekkingtour durch Landmanalauga was er schon immer wollte. Ich hatte sowohl aus Platzgründen wie aus grundsätzlichen Erwägungen weder die Ausrüstung noch die Vorbereitung um an einer solchen Tour teilnehmen zu können.

Landung Flugplatz Skaftafell

Die letzte Landung in Skaftafell Island

Und so war schon vor unserem Abflug klar das sich unsere Wege auf Island trennen würden und ich mit dem Airliner wieder zurück nach Deutschland fliegen werde. Für Harro war dies kein Problem da er schon oft allein ganz andere Flugreisen gemacht hat. Informationen hierzu und sehr schöne Filme, die er aufwendig zu seinen Flügen nach Kanada, Grönland und Spitzbergen produziert hat, findet man auf seiner Webseite lornav.de Die Filme kann man dort auch kaufen.

 

Fliegen in Island mit Ultraleichtflugzeug

Fliegen in Island – Ein Traum mit dem Ultraleichtflugzeug

Silfra Spalte Island

Die Silfra Spalte zwischen 2 Kontinentalplatten

Mein Ziel war noch ein Traum von mir. Ich bin nicht nur Pilot sondern auch leidenschaftlicher Taucher. Und auf Island gibt es einen auf unserem Planeten einzigartigen Tauchspot den ich mir nicht entgehen lassen konnte. Erzähle ich aber noch. Nach der letzten Nacht auf dem Campingplatz von Skaftafell bestieg ich um Uhr 9.45 den Linienbus Richtung Reykjavik. Das geniale an Island ist, das fast um die ganze Insel herum – also auf der Ringstraße von der viele bekannte Sehenswürdigkeiten schnell erreichbar sind – täglich mehrmals Linienbusse fahren, so das man für günstiges Geld fast überall hinkommt. Für meine 5 1/2 Stunden Fahrt von Skaftafell nach Reykjavik bezahlte ich umgerechnet nur etwa € 47 und die Busse dort haben sehr guten Reisekomfort. Ich musste 2 x umsteigen was aber kein Problem war da die Busse und die Busfahrer dafür sorgen

Silfa Spalte Besucherinformation

Silfra Spalte Infotafel

das man in jedem Fall direkt bei dem Kollegen der den nächsten Streckenabschnitt fährt einsteigen kann und auch das Gepäck dabei ist. Die Umsteigehaltestellen sind in der Regel auch Tankstellen, Supermärkte und Restaurants an der Strecke wo man auch noch ganz entspannt etwas essen kann. Der für mich absolute Hammer (ich berate Unternehmen zum Thema Internet und deshalb lege ich sehr viel Wert auf Internetzugang) war aber die Tatsache das ich im Linienbus first class freien Internetzugang hatte. Ich konnte sehr schnell Internetseiten aufrufen, Mails empfangen und sogar Voice Over IP – also Internettelefonie – war kein Problem und dafür braucht man schon etwas mehr Bandbreite.

Einstieg Silfra Spalte

Die Treppe zum Einstieg in die Silfra Spalte

Absolut jeder Linienbus auf Island ist ein fahrender Hotspot. Alles sofort und ohne Passwort verfügbar und kostet auch kein extra Geld. Ich bin begeistert!!!! Aber auch sonst ist Island extrem W-Lan freundlich. Abgesehen von Amerika habe ich bis jetzt kein Land besucht das derart offen für das Internet ist. Allerdings ist eine günstige Datenkarte zum Beispiel von Siminn für umgerechnet etwa € 14 mit 5 GB Datenvolumen noch einmal eine Absicherung wenn man mal nicht bei einem netten W-Lan Anbieter ist. Mit dieser Prepaid Datenkarte hatten wir eigentlich überall Internetzugang. Auch an Orten wo man dies nicht unbedingt erwartet. So war die Flugvorbereitung mit Wettercheck auch nie ein Problem. Und mit Thetering, also der Freigabe der Nutzung des Smartphones mit der Siminn Karte zur gemeinsamen Nutzung der Internetverbindung, konnten auch weitere Geräte wie mein Smartphone oder

Silfra Spalte Tauchgang Vorbereitung

Vorbereitung auf den Tauchgang in der Silfra Spalte

das Tablet bzw. das Netbook mitsurfen. Gelegentlich war das Thetering auch im W-Lan Betrieb sehr nützlich. 2 x hat mein Windows Netbook keine Verbindung zum freien W-Lan hergestellt und aus unerfindlichen Gründen rumgezickt während mein Android Smartphone Samsung Galaxy S2 sofort und ohne Probleme drin war. Dann habe ich das Thetering im Smartphone eingeschaltet und mein Netbook ging dann ohne Probleme über das Android Phone ins Internet. Meine Empfehlung lautet daher: Nehmen Sie mindestens 2 unterschiedliche Betriebssysteme / Geräte mit die unabhängig voneinander ins Internet gehen können.

Auf dem ersten Streckenabschnitt nach Reykjavik habe ich mich sehr angeregt mit dem netten Busfahrer unterhalten. Er erzählte mir viel über Island, die Natur und die Menschen und sein eigenes Leben.

Silfra Spalte tauchen

links Amerika rechts Europa – Kontinentalplatten verbunden

Er war früher einmal Fischer bis er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste und nun sehr zufrieden mit seinem Job als Busfahrer ist. Ich liebe diese Art des Reisens. Man kommt mit Einheimischen ins Gespräch und erfährt so viel mehr über die Lebenssituation der Menschen. Wir sprachen über Vulkanausbrüche die Teile unserer Fahrstrecke über Tage hinweg unpassierbar machten und ganz neue Landschaften schufen. Die Findigkeit der Ingenieure und Menschen auf Island die Probleme die diese gewaltigen Naturereignisse schufen zu lösen und auch über die große Wirtschaftskrise und den Zusammenbruch der Banken auf Island und was dies für die Menschen dort bedeutet. Island wurde vor über 1000 Jahren von Menschen besiedelt. Die Vikinger – also die Vorfahren der Isländer – haben in der Isolation dieser nordischen Insel mehr als 1000 Jahre Vulkanausbrüchen, schwierigen Wetterbedingungen und mangelnden Ressourcen getrotzt. Island ist mit gerade einmal 320.000 Einwohnern  (etwa so viel wie Bielefeld Einwohner hat) von denen 2/3 in der Region Reykjavik leben eine der am dünnsten besiedelten Regionen dieser Welt. Jetzt bekommen Sie langsam eine Vorstellung davon was die Menschen dort geleistet haben und jeden Tag leisten.

Tauchgang Silfra Spalte

Mein Tauchgang in der Silfra Spalte

Island ist ein Mikrokosmos der besonderen Art. So findet sich dort eine lebendige Musikszene die mit der Sängerin Björk auch hierzulande einigen ein Begriff ist. Allerdings ist es wie bei fast allen Dingen in Island viel schwieriger Erfolg zu haben und davon leben zu können als bei uns. So bekommt ein Isländischer Musiker eine goldene Schallplatte wenn er 5000 Kopien seiner Musik verkauft hat! Davon kann aber keiner leben und deshalb haben die meisten Musiker einen Hauptberuf. Es finden sich dort vergleichsweise viele musikalisch sehr talentierte Ärzte, Lehrer, Piloten und normale Angestellte….Wer von dem leben will was er als Selbständiger tut muß fast immer über Islands Grenzen hinaus erfolgreich sein. Und dies ist unter anderem der Grund dafür das die meisten Isländer hervorragend englisch sprechen können. Natürlich habe ich einige Buchläden in Reykjavik besucht und es gibt dort auch isländische Literatur.

Trockentauchen Island

Tockentauchen in Island – der einzige Weg zu überleben 🙂

Auch Musik in isländisch gesungen findet man, aber das Meiste ist auf englisch. Und dies verdeutlicht eine ganz einfache Tatsache. Es lohnt sich nicht für „eine handvoll Menschen“ auch Blockbuster in Film, Fernsehen und Literatur zu übersetzen und zu produzieren. Ich habe zumindest keinen Harry Potter auf isländisch gefunden… Auf der anderen Seite ist die Sprache eines Volkes ihr höchstes Kulturgut. Ich habe großen Respekt vor den Leistungen dieses kleinen Volkes das unter diesen Bedingungen seine eigene Kultur und Sprache bewahrt und zu Recht stolz sein kann auf das Erreichte. Stellen Sie sich einfach mal vor die Stadt Bielefeld erzeugt ihre eigene Energie, schafft eine komplette Infrastruktur über hunderte Kilometer, unterhält ein funktionierendes Sozialsystem und hätte einen internationalen Flughafen mit eigener Airline usw. Und für alle Aufgaben müssten in Bielefeld entsprechende Fachleute wohnen da das ganze System ohne dieses Know How nicht funktioniert.

 

Klares Wasser in Silfra Spalte

Das klarste Wasser auf unserem Planeten

Blaue Lagune Eingang

Eingang zur Blauen Lagune in Island

So nun aber wieder zurück nach Reykjavik. Dort angekommen bezog ich mein Zimmer in einem absolut zentral gelegenen Hostel. Wer keine all zu großen Ansprüche an Komfort hat wird dort auch in der Hauptsaison in Reykjavik zu einem günstigen Preis ein Bett bekommen. Vor Ort buchte ich für den nächsten Morgen bei dem Tauchcenter Dive.is meine Tauchgänge in der Silfra Spalte. Die Silfra Spalte ist ein Teil des Thingvellir Sees und des gleichnamigen Nationalparks. Genau an dieser Stelle stoßen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte aufeinander bzw. driften pro Jahr etwa 2 cm auseinander. Und dieser tektonische Riss ist u.a. der Grund dafür das auf Island eine derart starke geologische bzw. vulkanische Aktivität existiert. So kann man in der Silfra Spalte tatsächlich mit der einen Hand Europa und mit der anderen Hand Amerika berühren.

Baden in der Blauen Lagune

Baden in der Blauen Lagune

Dies allerdings ist nicht der eigentliche Grund für meinen Entschluss gewesen dieses auf diesem Planeten einmalige Erlebnis zu genießen. Die Silfra Spalte, die bis etwa 22 Meter Tiefe betaucht werden kann, ist mit 2 – 4 Grad kaltem Gletscherwasser gefüllt das von einem 50 km entfernten Gletscher stammt und deshalb mehrere Jahre benötigte um durch Lavagestein hierher zu gelangen. Das Resultat ist das klarste Wasser der Welt. Sichtweiten in der Lagune von bis zu 120 m unter Wasser. Unerreicht, spektakulär… Das Gefühl ähnelt vielleicht einem Weltraumspaziergang. Ein Ort nicht von dieser Welt…und ebenso lebensfeindlich. Auch wenn ich auf privatrundflug.de das Fliegen zum Thema mache und

Around Iceland Reykjavik

Around Iceland – Ein schöner Laden für Urlauber

nicht das Tauchen so kann ich den Piloten versichern das dieser Flug unter Wasser denen über Wasser aber auf eine ganz andere Art und Weise in nichts nachsteht. Ich zog mir meine Spezialunterwäsche die ich auch unter dem Überlebensanzug bei unseren Flügen trug an. Bekam von Dive.is noch einen dicken Wärmeschutzanzug (also eine Art anziehbarer Schlafsack) dazu. Doppelte Socken waren auch dringend empfohlen worden. Darüber kam der Trockentauchanzug mit Neoprenschutzhaube und dicken Neoprenhandschuhen. Dazu natürlich die Tauchweste, Maske, Flossen, 12 Kilo zusätzlich Blei da der Trockentauchanzug mehr Auftrieb erzeugt als ein Nasstauchanzug und eine schwere Taucherflasche mit 200 Bar Atemluft. Round about 25 Kilo Gewicht! Ich konnte mich kaum noch bewegen. Ein Raumanzug kann unmöglich noch weniger Bewegungsfreiheit an Land produzieren.

Touristeninformation Reykjavik City

Touristeninformation im Laden Around Iceland – sehr gemütlich

Und ich dachte nur…übertreiben die es hier nicht ein bisschen mit der Wärmeisolierung? Nachdem ich mich etwa 150 m in voller Ausrüstung bis zum Einstieg der Silfra Spalte in Form einer Treppe geschleppt hatte konnte ich mit deutlich beschleunigtem Puls sehen, auf was ich mich eingelassen hatte. Sofort nach auswaschen der Tauchmaske bildete sich ein Eisfilm darauf. Wassertemperatur an unserem Tauchtag 2 Grad Celsius. Die Temperatur ändert sich übrigens das ganze Jahr über nicht. Egal ob Sommer oder Winter. Nur was heißt das? Immerhin war ich eingepackt wie noch nie in meinem Leben. Und so erlebte ich den wahrscheinlich wahnsinnigsten Tauchgang meines Lebens. Sofort nach einstieg in das Wasser spürte ich die Macht der Kälte. Zunächst unaufdringlich aber stetig fordernd. Als ich dann mit dem Gesicht und dem Kopf unter Wasser ging vergingen etwa 3 Sekunden bis klar war hier werden keine Gefangenen gemacht.

Reykjavik Hafen

Der Hafen von Reykjavik

Die Kälte schlug brutal zu. Noch nie hatte ich so etwas erlebt. Ein Zustand zwischen Schock und Euphorie. Hellwach versuchte ich dem kurz aufflammenden Impuls zu wiederstehen der sagt raus hier….Aber dann wurde es besser. Haben Sie schon mal ein sehr kaltes Getränk in warmer Umgebung sehr schnell getrunken? Ein Gefühl das umgangssprachlich als Hirnfrost bekannt ist. So in etwa fühlt es sich an wenn man in Silfra beginnt abzutauchen. Nachdem die erste Minute überstanden ist wird man aber mit einem Erlebnis belohnt das seines gleichen sucht. Ein schweben zwischen Raum und Zeit. Eine uneingeschränkte Sicht durch eine Felsenkatedrale und Steinformationen die seit anbeginn der Zeit Zeugnis ablegen für die gewaltigen Kräfte der Natur.

Whale Watching Angebote in Reykjavik

Anbieter von Whale Watching in Reykjavik

Keine Tiere leben an diesem Ort. Lediglich einige Algen haben es geschafft hier zu überleben. Der Wasserdruck, diese Weite, diese Sicht…Total surreal…

Doch die Natur zeigt kein erbarmen. So genial diese Erfahrung auch ist…der Mensch hat hier nichts verloren. Trotz meiner Hightech Ausrüstung zeigte mir die Kälte wo die Grenzen liegen. So stiegen wir nach einer halben Stunde aufgewühlt vom erlebten aus dem Wasser an der Grenze zum bibbern. Aber immer noch warm genug um durch die folgenden 250 m Rückweg zum Tourbus halbwegs auf Betriebstemperatur zu kommen. Dort gab es heiße Schokolade und Kekse die dankend angenommen wurden. Meine beiden Mitstreiter auf unserer Tauchexkursion (jeder Tauchguide hatte max. 3 Taucher dabei) mussten aber an diesem Punkt schluss machen.

Congress Center in Reykjavik

Das Congress Center in Reykjavik mit Coast Guard davor

Gesundheitliche Probleme bzw. allgemeine Bedenken hinsichtlich eines zweiten Tauchganges ließen sie Abstand nehmen. Und so kam ich zu dem exklusiven Vergnügen den zweiten Tauchgang allein mit meinem Tauchguide zu genießen. Und wieder war es das eintauchen weit weit weg in eine andere Welt. Die rein technische Komponente des tauchens mit dem Trockenanzug wurde nun auch intuitiver und die Beschäftigung mit tarieren wich dem entspannten erleben. Nur merkte ich am Ende des zweiten Tauchganges das mein Körper definitiv mehr Zeit brauchen würde um theoretisch noch einen weiteren Tauchgang machen zu können. Dies war aber weder vorgesehen noch aus meiner Sicht notwendig. Ich hatte mein Erlebnis und es war unglaublich.

Sun Voyager Viewpoint Reykjavik

Der Sun Voyager Viewpoint in Reykjavik

Gott sei Dank oder vielleicht in weiser Voraussicht habe ich im Anschluss an Silfra über die Tauchbasis gleich das komplette „Wellnesspaket“ für Körper und Geist gebucht. Und während wir als bunte Truppe von Amerikanern und Europäern zurück nach Reykjavik zu den Hotels gebracht wurden war mein nächster Punkt auf der Tagesordnung das Busterminal von Reykjavik Exkursions wo man mich absetzte. Von  hier aus werden alle möglichen Ausflüge in ganz Island angeboten. Und ich wollte noch in die Blaue Lagune. Die Blue Lagoon liegt etwa 45 Minuten von Reykjavik nicht weit vom internationalen Flughafen Kevlavik entfernt und man sieht schon aus größerer Entfernung eine Dampfwolke die den Temperaturunterschied zwischen Wasser und

Sun Voyager Informationen

Informationen zur Sun Voyager in Reykjavik

Lufttemperatur markiert. Wenn man näher kommt nimmt man kurzzeitig auch einen Geruch ähnlich verfaulter Eier war….Schwefel. Dies ist aber nur kurz der Fall. In der Lagune selber viel mir dies nicht auf. Aber immer noch steckte mir ein wenig Silfra in den Knochen und es war einfach perfekt in über 35 Grad Celsius warmes Wasser das durch geothermale Energie erwärmt wird einzutauchen, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und das Leben zu genießen… Die Blaue Lagune ist ein Touristenmagnet und entsprechend gut besucht aber nicht überfüllt war diese herrliche Badelandschaft. Europäer, Amerikaner, Asiaten…alle waren da und entspannten sich. Nach 2 Stunden fuhr ich mit dem Bus wieder zurück und Reykjavik Exkursions bringt seine Gäste auch gern direkt zum Hotel bzw. holt diese bei gebuchten Touren davon ab. Da es schon spät wurde stand an diesem Tag nur noch ein Punkt auf dem Programm… mein Bett.

Für den nächsten und meinen letzten vollen Tag auf Island wollte ich mir nur noch in Ruhe Reykjavik City ansehen. Und da ich dort schon an der Straße Laugavegur wohnte waren es  nur 100 m bis zum Haupteinkaufsbereich.

Hallgrimskirkja Cathedral Reykjavik

Die Hallgrimskirkja Kathedrale in Reykjavik

So schlenderte ich mit aller Zeit der Welt durch Reykjavik, besuchte Geschäfte und stellte fest das Reykjavik City ein großes Reisebüro für Island Touren ist. Überall gibt es Touristeninformationen und Buchungsmöglichkeiten. Ein besonders schönen Laden habe ich auch gleich fotografiert. Eine Mischung aus Produkten, Kaffee, Infotainment und Mutters guter Stube…herrlich dieser Around Iceland Laden in dem Island von seinen schönsten und auch unterhaltsamsten Seiten gezeigt wird und wo man entsprechend gleich Ausflüge buchen kann. Ich beobachtete die Menschen, ging zum Hafen, studierte die Whale Watching Angebote, machte einen Abstecher in das Congress Centrum folgte der Promenade bis zum View Point einem von einem Künstler geschaffenen symbolischen Schiff der Sun Voyager und kehrte dann zurück in die Einkaufsstraßen mit dem Ziel der Hallgrimskirkja Cathedral die aufgrund ihrer Lage an einer der höchsten Stellen im Stadtgebiet und ihrer prägnanten Architektur weithin sichtbar ist. Dort lauschte ich über eine Stunde einem Orgelkonzert und reflektierte noch einmal über meine Reise. Vor der Kathedrale steht ein Denkmal dem berühmtesten Sohn des Landes gewidmet. Leif Erikksson. Der Stolz der Isländer lässt sich an der Widmung des Denkmales ablesen.

So neigte sich der Tag dem Ende entgegen und am nächsten Morgen um Uhr 4.30 stand der Busfahrer von Reykjavik Exkursions in der Lobby des Hostels um mich abzuholen. Es ging zu einer letzten Fahrt nach Kevlavik International zum Preis von umgerechnet € 13,– wo ich mit der Uhr 7.45 Iceland Air Boing nach Kopenhagen flog und von dort um Uhr 17.00 Nachmittags mit einer SAS McDonnel Douglas in einer Stunde Flugzeit nach Hannover.

 

Leif Ericson Reykjavik Denkmal

Leif Eriksson – Hat die eigenen Grenzen hinter sich gelassen…

Mein Abenteuer dauerte insgesamt 13 Tage und es war eine der eindruckvollsten Erfahrungen meines Lebens. Mit dem Ultraleichtflugzeug von Deutschland über Holland, England, Schottland bis nach Island zu fliegen war eine fliegerische Herausforderung die mich als Pilot um Quantensprünge weiter brachte. Man wächst mit den Aufgaben und lernt jeden Tag dazu. Insbesondere die täglichen Wetteränderungen über dem Atlantik und auf Island lassen einen als VFR Flieger notgedrungen aber auch Gott sei Dank immer mal wieder die Grenzen zwischen Theorie und Praxis  testen. Natürlich ist es toll wenn man immer bei bester Sicht und ohne störende Wettereinflüsse in Übereinstimmung mit theoretisch wünschenswerten Rahmenbedingungen unterwegs ist. Aber es ist eben doch nur Theorie. Die Suche nach Grenzen oder vielleicht grenzenloser Freiheit schafft neue Perspektiven. Risiken einzugehen gehört zum Geschäft. Aber Risiken müssen immer kalkulierbar bleiben. Es sind die besten Piloten die ihren Enkeln von ihren Abenteuern erzählen und nicht die Helden die sich todesmutig in Gefahr begeben. Würde ich so eine Reise mit dem Ultraleichtflugzeug wieder unternehmen? Auf jeden Fall! Kann ich einem unerfahrenen Piloten empfehlen dies völlig allein einfach so zu machen? Sicherlich nicht! Auch wenn Ihnen das fliegen im Blut liegt und Sie sehr gut mit ihrem Flugzeug umgehen können und auch technisch alles in Ordnung wäre. Es ist einfach etwas völlig anderes allein in eine sehr schwierige Situation ohne Beistand und mögliche Hilfe zu kommen. Einen erfahrenen Piloten dabei zu haben der die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachtet ist extrem wertvoll. Dies reduziert den Stress und die Anspannung.

Allerdings ist es verdammt schwierig in Deutschland Leute zu finden die a.) die Erfahrung mit solchen Flügen haben b.) das passende Flugzeug und c.) das nötige Kleingeld und die Lust so etwas zu unternehmen. Wobei Geld im Zusammenhang mit UL fliegen und übernachten im Zelt oder im Hostel eigentlich nicht das Problem ist. Von daher bin ich dankbar das ich diese Chance hatte und bin gerne bereit andere Langstreckenaspiranten bei ihren Flügen und Planungen sofern es mir möglich ist zu unterstützen. Ich werde auf jeden Fall wieder auf Abenteuerreise gehen. Wohin oder wann? Das können Sie hier auf privatrundflug.de lesen. Und natürlich können Sie auch ihre eigenen Flugerfahrungen und Tipps hier veröffentlichen. Auch wenn es nur die kleine Runde um den Block war 🙂

Den ersten Teil meines Flugberichtes von Deutschland nach Holland finden Sie hier: http://www.privatrundflug.de/deutschland-holland-mit-dem-ultraleichtflugzeug-nach-island/

Der zweite Teil meines Flugberichtes über England und Schottland finden Sie hier: http://www.privatrundflug.de/england-schottland-mit-dem-ultraleichtflugzeug-nach-island/

 

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