Du bist hier: Home » Rundflug-Erfahrungen / News » Flugberichte Veranstaltungen » Grossbritannien Flugberichte » England – Schottland / Mit dem Ultraleichtflugzeug nach Island

England – Schottland / Mit dem Ultraleichtflugzeug nach Island

England – Schottland / Mit dem Ultraleichtflugzeug nach Island

Auf nach England und Schottland. Holland liegt hinter uns und vor uns liegt erst einmal nur die Nordsee. Etwa 1 Stunde werden wir über Wasser fliegen bis Großbritannien erreicht wird.

Ostküste England

England in Sicht

Unser Ultraleichtflugzeug die CTSW liegt satt in der Luft…keine Thermik und keine ruppigen Winde stören die angenehme Ruhe. Die 100 PS aus dem Rotax Motor schnurren vor sich hin und unter uns ziehen immer wieder Schiffe ihre Bahnen die von und in Richtung des Ärmelkanal unterwegs sind. Herrlicher Sonnenschein und gute Sicht sorgen für Entspannung. So fliegt man gerne in das Vereinigte Königreich. Kaum in der Luft – so scheint es zumindest – zeigt sich die Ostküste Englands am Horizont. Und tatsächlich ist man bei gemütlichen 180 km/h Reisegeschwindigkeit und der guten Sicht nur relativ kurz ohne Sicht auf eine Landmasse. Aber dies sollte ja auch nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Dinge sein die noch kommen würden. 🙂

Großbritannien Ostküste Luftbild

Willkommen in England

Flugplatz Beccles Anflug

Beccles Endanflug

Beccles Airport Flugleitung

Beccles Flugplatz C für Clubraum…

Airport Beccles Vorfeld

Anzüge trocknen – Beccles Flugplatz Vorfeld

Nur wenige Minuten nach überfliegen der englischen Küstenlinie waren wir auch schon im Anflug auf Beccles. Der Flugplatz Beccles ist ein kleiner Platz den auch Flugzeuge mit deutlich weniger Reichweite von Middelburg in Holland entspannt erreichen können. Die „Betonpiste“ sieht zwar etwas verwachsen aus aber eine sichere Landung ist allemal gewährleistet. Beccles ist auch ein Flugplatz mit regem Fallschirmsprungbetrieb und Anlaufpunkt für Menschen die fliegen lernen möchten z.B. auch auf dem dort stationierten Helicopter. Ganz besonders charmant ist aber das persönliche Umfeld – sprich die Menschen -. So wurden wir von Nick und seinen Kollegen in Beccles herzlich willkommen geheißen und sofort ein Kaffee bereitgestellt. Und Petrus hat es offensichtlich sehr gut mit uns gemeint denn Nick erzählte uns das wir quasi den Sommer mit nach England gebracht haben. Dies sei der erste Tag mit richtig schönem Sommerwetter. Und so war es! Direkt hinter dem C Gebäude also der Hütte mit der Flugleitung und dem Gästeraum konnten wir uns in den Garten setzen und auf bequemen Gartenstühlen und unter dem Sonnenschirm so richtig relaxen. Wozu also Eile und so beschlossen wir den Weiterflug erst am nächsten Tag auf den Plan zu setzen. Allerdings hat Großbritannien an seinen Flugplätzen nur eine sehr dürftige Mogas Versorgung (Mogas ist normales Autobenzin mit 95 Okatan) und so überlegten wir uns wo wir mit den mitgebrachten Benzinkanistern evtl. an einer Tankstelle Kraftstoff bekommen könnten. Natürlich kann man auch das deutlich teurere und verbleite Avgas tanken aber für den Rotax Motor, die Umwelt und den Geldbeutel ist normaler unverbleiter Autokraftstoff einfach besser. Und so kam was ich schon im vorhergehenden Bericht andeutete. Nick fuhr uns mit seinem Auto ca. 15 Minuten in den Ort Beccles zu einem Supermarkt mit Tankstelle. Dort tankten wir schnell die mitgebrachten Kanister voll und gingen danach gemütlich zum einkaufen und konnten im Restaurant vor Ort auch noch eine warme Mahlzeit genießen. Und um den Service perfekt zu machen holte uns Nick etwa 1,5 Stunden später wieder ab. Die Übernachtungsfrage war auch schon geklärt denn wir durften im Garten hinter dem Clubhaus unser Zelt aufbauen und na klar auch alle Einrichtungen vor Ort benutzen. Wireless Lan um günstig zu surfen und Flugvorbereitung zu machen… no problem das Passwort gab es dazu. Geräte an Steckdosen aufladen und Küche mitbenutzen sowieso. Ach ja Nick brachte an diesem schönen warmen Tag noch eine Ladung Eis für alle mit. Und am nächsten Tag wurde die Frage nach Landegebühr bzw. Abstellgebühr für den Flieger oder sonstigen Kosten mit abwinken quittiert. Gott sei Dank konnte ich wenigstens noch ein paar Bier aus dem Sixpack im Kühlschrank lassen sonst wäre es wirklich kaum noch auszuhalten gewesen. Ich hoffe es war die richtige Marke und es hat geschmeckt! Also Jungs….thank you for your fantastic hospitality and your support.

Flugplatz Nottingham England

Nottingham Airport

Nach der Verabschiedung ging es am nächsten Tag von Beccles in das Landesinnere. Wir haben hin und her überlegt ob wir nun einfach nur der Küstenlinie nach Norden folgen sollten oder doch einen kleinen Umweg machen. England ist leider ziemlich Luftraumverseucht und wir hatten keine Lust in einer permanenten Sprechfunkaktivität zu versinken sondern wollten entspannt einfach Landschaften und den Flug genießen. So entschlossen wir uns einem Korridor außerhalb der Lufträume die großräumig quasi über jeder größeren Stadt mit Flugplatz liegen zu folgen. Dieser Korridor führte uns zu unserem ersten Etappenziel an diesem Tag….Nottingham.

Nottingham ist ein schöner Flugplatz mit 2 Runways und einem netten kleinen Flugplatzrestaurant. Dort genossen wir wieder herrlichen Sonnenschein, Kuchen, kaltes Milchshake, Eis und Kaffee. Ein  Hinweis hierzu. In Nottingham trugen einige Piloten auf dem Vorfeld eine gelbe Warnweste. Dies ist in England an einigen Plätzen wohl vorgeschrieben. Allerdings scheint man dies bei weitgereisten CT Piloten mit D Kennzeichen nicht so eng zu sehen zumal der Weg von der Parkposition zum öffentlichen Bereich nur 30 Meter war. Den Sherriff von Nottingham haben wir also zwecks Erinnerung an Vorschriften etc. nicht getroffen und auch Robin Hood im nördlich der Stadt gelegenen Sherwood Forest  habe ich nicht gesehen. Und ehrlich gesagt ist die Waldfläche um Nottingham herum so überschaubar (zumindest im Überflug) das ich noch nicht einmal ein Foto vom berühmten Sherwood Forest gemacht habe.

Sheffield England Luftbild

Flug über Sheffield

Unser nächstes Etappenziel lag schon in Schottland aber bis dahin folgten wir unserem Flugkorridor von Nottingham nach Norden und flogen über die Stadt Sheffield. Mit 557.000 Einwohnern zählt sie zu den größten Städten Englands und ist Verwaltungssitz der Region Yorkshire. Die Metropolregion Sheffield zählt etwa 1,2 Millionen Einwohner und somit sollte dieser Überflug die Spitze im Sinne des fliegens über bebautem Gebiet auf unserer ganzen Reise werden. Dies war auch meine Motivation. Ich liebe tolle Landschaften und genieße die Ruhe und Einsamkeit die diese Regionen ausstrahlen. Aber ebenso finde ich urbanes Leben aufregend. Städte aus der Luft zu betrachten, Sehenswürdigkeiten, Bauwerke und Straßenzüge zu sehen gehört für mich zu einer möglichst vollständigen Wahrnehmung eines Landes dazu. Und einige Dinge die für uns normal erscheinen sind es in anderen Ländern offensichtlich nicht. So viel mir in ganz England und Schottland insbesondere eins ins Auge….

Park in Sheffield

Ein Park in Sheffield

Die Engländer haben entweder alle den gleichen Geschmack oder Farbe an Häusern ist verpönt, verboten oder einfach nicht verfügbar. Vielleicht irre ich mich auch aber alle Häuser wirken aus der Luft irgendwie einfach wie eine Variante von grau bzw. beige. Rote, gelbe oder sonstwie knalligere Farben…Fehlanzeige. Dies mag aber auch einem einfachen Pragmatismus geschuldet sein. Denn das Wetter auf der Insel ist tendenziell wohl eher etwas feuchter…wenn man unseren Gesprächspartnern glauben schenkt und eine pflegeleichte Farbe bzw. ein natürliches Mauerwerk ohne Farbe macht da schon durchaus Sinn.

England im Norden

England`s greenest Hills nördlich von Leeds

Nachdem wir Sheffield passiert haben flogen wir weiter Richtung Norden über Huddersfield und ließen Leeds zu unserer Rechten. Und von da an wurde die Landschaft immer hügeliger und einsamer. Wenn Elton John in Erinnerung an Prinzessin Diana von „Englands greenest Hills“ singt glaube ich jetzt zu wissen wo ein Teil von diesen liegen. Wirklich sehr schön. Mit leichtem Nordostkurs sahen wir Newcastle upon Tyne ebenfalls rechts liegen und nahmen Kurs auf Schottlands Hauptstadt Edinburgh. Dort folgten wir der Grenze der Kontrollzone auf das Meer hinaus und sahen einen Teil von Edinburgh City. Leider ist die Distanz noch so groß das ein gutes Foto nur mit entsprechender Ausrüstung möglich ist die ich aber nicht dabei hatte. Aber zumindest kann man ein wenig von Edinburgh erkennen.

Edinburgh Schottland

Edingburgh in Sicht

Nun war es nicht mehr weit zu unserem Tagesziel Kingsmuir. Wer oder was und vor allen Dingen wo ist Kingsmuir? Und warum wollten wir ausgerechnet dorthin?… Ganz einfach…Harro hat eine Taschen AIP von Großbritannien und dort war zu lesen das Kingsmuir Mogas haben sollte. Und so flogen wir nur noch etwa 20 Minuten über schottische Landschaften um Kingsmuir (liegt in direkter Nachbarschaft zu Perth und Dundee) zu finden. Und das war nicht einfach. Zwischen grünen Feldern liegt ein Feld mit der Andeutung von Landereitern und einem dezent platzierten Windsack. Daneben nur ein typisches schottisches Haus und natürlich weder ein Turm noch andere Flugzeuge… (2 Flieger waren in einer Art Scheune versteckt) Und selbst mit GPS und dem Wissen das man eigentlich schon drüber ist war die Grasspiste erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Kingsmuir Schottland Flugplatz

Die CT in Kingsmuir

Auf unsere Funkrufe antwortete eh niemand doch das Telefonat das wir von Nottingham aus mit dem Flugplatzbetreiber (also genau genommen mit seiner Mutter) führten bestärkte uns darin das wir ja willkommen waren und man uns erwartete. Und schlussendlich konnten wir ohne Probleme landen und parkten die CT direkt vor dem Haus. Vor der Tür stand eine Metallkiste mit einem großen C darauf. Also hier drin musste sich die Flugleitung und die Kasse für die Landegebühren verstecken….

Stattdessen lag in der Kiste ein handgeschriebener Zettel… einfach zu schön und deshalb als Foto noch einmal zum nachlesen. Für alle die vielleicht keine Fotos lesen können hier der Text auf dem Zettel:

Kingsmuir Schottland Flugleitung

Der Flugleiter in der Kiste

BOOK IS IN THE CLUBHOUSE

DOOR IS UNLOCKED

HELP YOURSELF TO COFFEE

Übersetzt:

Das Landebuch ist im Clubhaus. (Jeder kann sich dort selbst eintragen).

Informationen für Piloten

Selbstbriefing für Piloten 🙂

Die Tür ist unverschlossen.

Mach dir doch selbst einen Kaffee.

Und so fanden wir das Clubhaus verlassen vor und staunten über die Abwesenheit jedweder Person die vielleicht ein Auge auf die vollständig eingerichtete Küche mit Kaffee, Tee, Kühlschrank, Geschirr usw. sowie die Toiletten mit Duschen und den Clubraum selbst  haben würde. Und dann standen wir über eine Stunde ohne irgendeine weitergehende Information und ohne Begrüßung in einem fremden Haus und überlegten wie es weitergehen würde. Immerhin hatten wir uns angekündigt und trotzdem war weit und breit niemand zu sehen. Kein Mogas, keine Genehmigung evtl. über Nacht bleiben zu dürfen…. nichts! Lediglich ein einsamer Treckerfahrer zog auf dem Nachbarfeld ungerührt durch unsere Ankunft seine Runden. Und eigentlich wollte sich Harro am nächsten Tag mit seiner Cousine die sich gerade in der Nähe von Perth im Urlaub befand treffen um mit ihr einen kleinen Rundflug über Schottland zu machen.

Flugplatz Kingsmuir Clubhaus

Das Clubhaus am Flugplatz Kingsmuir

Blöderweise waren die Spritreserven auch nicht mehr so üppig (weswegen wir ja – siehe Mogas – auch hier tanken wollten) und so stellte sich die Frage was jetzt? Der Sprit würde noch bis Perth reichen aber auch nicht viel mehr. Also nicht wirklich komfortabel im Sinne der Spritreserve. Aber wir waren irgendwo im nirgendwo. Kilometerweit nur Felder. Keine Tankstelle, keine Autos…nichts! Der Flugplatz Perth würde aber in einer halben Stunde schließen. Dort könnten wir noch schnell AVGAS tanken und wären wieder einsatzfähig. Und wir könnten uns dort eine gesicherte Übernachtungsmöglichkeit besorgen. So entschlossen wir uns mangels Informationen bzw. Alternativen das zu nutzen was geht und bereiteten den Abflug in das 15 Minuten entfernte Perth vor. Und als wir uns so fertig machten sahen wir eine junge Frau die sich zu dem einsamen Treckerfahrer begab der dann geradewegs zu uns fuhr. Und so lernten wir Caroline und Bill kennen. Die beiden betreiben als leidenschaftliche Ultraleichtflieger auf ihrem Land nebenbei diesen kleinen Flugplatz. Und Caroline erzählte das ihr Mann Bill etwas schüchtern gegenüber Fremden sei was seine Zurückhaltung im Sinne einer Begrüßung der Fremden erklärte. Tja…diese Schotten sind schon ein interessantes Volk. Total nett und wenn das Eis gebrochen ist sehr gastfreundlich. Und deshalb hat uns Caroline nicht nur angeboten uns zu einer Tankstelle zu bringen um den Kraftstoffvorrat aufzufüllen.

Anstruth Schottland

Promenade in Anstruth

Sie war auch gleich so nett uns bis zum Ort Anstruth einige Kilometer südlich direkt an der Küste zu bringen wo wir in einem Restaurant ein gutes Essen genossen und nebenbei im frei zugänglichen WiFi noch einmal das Wetter checken konnten. Und die Vorhersage war weiterhin top! Petrus hat tatsächlich alles aufgeboten was man als VFR Flieger in England und Schottland erwarten kann. Das ganze Königreich lag unter einem stabilen Hochdruckgebiet mit königlichem Wetter. Vom ersten bis zum letzten Tag in Großbritannien alles blau. Und nachdem Caroline uns nach etwa 1 Stunde wieder mit ihrem Auto abgeholt hatte ging es auch noch schnell an einem Supermarkt vorbei wo wir noch Kleinigkeiten einkaufen konnten. Zurück am Clubhaus boten uns die beiden auch noch die Übernachtung dort an. Zwar ohne Betten aber wir konnten auf den Zeltaufbau verzichten und uns am nächsten Morgen bei extra für uns eingeschalteter Heizung noch eine heiße Dusche gönnen. Und was hat das alles gekostet? Nichts! Also liebe Caroline und lieber Bill ihr seid großartige Gastgeber und bemerkenswert unkompliziert. Euer einsamer kleiner Flugplatz inmitten grüner schottischer Felder ist einfach ein echter Tipp für jeden der die Ruhe sucht und trotzdem ein wenig Infrastruktur wie euer Clubhaus mit Küche, Dusche und Toilette etc. zu schätzen weiß. Und wer das Glück hat euch persönlich kennen lernen zu können erfährt Gastfreundschaft im wörtlichen Sinne. Man kommt als Gast und geht gefühlt als Freund. Alles sehr einfach aber ich glaube genau das ist der Charme den die Schotten und ihr großartiges Land haben.

Golfplatz St. Andrews

Golfplatz in St. Andrews / Schottland

Und eins habe ich überhaupt nicht gefunden…schottischen Geiz oder Knauserigkeit. Vielleicht war ich auch nicht lange genug in Schottland um mir hierzu eine Meinung bilden zu können aber ich weiß auf Basis meiner persönlichen Erlebnisse überhaupt nicht wieso die Schotten dafür bekannt sind….?

Am nächsten Tag wollten wir unsere Kraftstoffreserven für den Flug über die schottischen Highlands weiter auffüllen. Deshalb haben wir uns entschlossen in die nähere Nachbarschaft nach Dundee zu fliegen. Der Flugplatz dort hat zwar nur AVGAS aber „in der Not frisst der Teufel Fliegen“. Auf dem Weg dorthin wollte ich noch gerne über St. Andrews fliegen da dies so zu sagen direkt am Wegesrand bzw. auf unserem direkten Flugweg lag. Allerdings brauchten wir hierfür eine Freigabe denn St. Andrews liegt inmitten einer militärischen Kontrollzone. Allerdings war Sonntag und kaum Traffic und der Controller hatte auch nichts gegen einen kleinen Sightseeingflug einzuwenden.

St. Andrews Schottland

St. Andrews City

Freigabe erteilt und schon flogen wir über einen großen Golfplatz auf dem meines Wissens die Scottish Open eines der großen Golfturniere der Welt ausgetragen werden. Weiter ging es zum historischen Stadtkern von St. Andrews. Wer glaubt den Namen schon einmal gehört zu haben liegt richtig. St. Andrews ist der Ort an dem die britischen Royal`s ihre Sprößlinge also die Prinzen und zukünftigen Könige zur ersten Universität in Schottland und der dritten überhaupt in der englischsprachigen Welt schicken. Gegründet im Jahr 1413 verkörpert die Universität von St. Andrews alles was man mit dem Wort Tradition verbinden kann. Der Nachwuchs der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Elite des Vereinigten Königreiches hält hier Hof und erhält neben einer soliden Ausbildung auch noch die Garantie bestmöglicher Vernetzung zu den zukünftigen und aktuellen Entscheidungsträgern in Großbritannien und darüber hinaus.

Nach verlassen der Kontrollzone ging es auch gleich zur Landung auf dem Dundee Airport. Dieser ist sehr schön direkt an einem Meeresarm – Firth of Tay –  gelegen so das man über das Wasser seinen Anflug macht und direkt daneben aufsetzt. Der Flugplatz Dundee gehört aber schon zu den größeren da hier auch entsprechend größere Flugzeuge landen und auch recht aktiv geflogen wird.

Dundee Flugplatz

Der Flugplatz in Dundee

Als wir dort waren war es doch recht belebt und es schien mir als ob Dundee auch Heimat von Flugschulen für die professionelle Pilotenausbildung ist. Es waren auf jeden Fall reichlich junge Leute mit Streifen auf der Schulter unterwegs und auch das Militär scheint hier gerne zu fliegen. Nach unserem Tankstopp und einem Besuch eines ca. 20 Minuten zu Fuß entfernten Restaurants das gutes aber gemessen an der Portionsgröße auch teures Essen anbot ging es auf unseren Rundflug durch die schottischen Highlands. Ich wollte die schottischen Berge und die Loch`s sehen und das hat auch geklappt. Die Heimat von Freiheitskämpfern, schottischen Clan´s Whiskey und Ungeheuern 🙂

Restaurant in Dundee

Restaurant in Dundee am Firth of Tay

Und so flogen wir über herrliche Landschaften und bewunderten schneebedeckte Gipfel und grüne Täler. Bei der Gelegenheit  sahen wir auch eine Eisenbahnstrecke die wohl von Perth bis nach Inverness führen könnte (muss ich noch mal prüfen). Also wer nicht mit dem Flugzeug oder dem Auto reisen möchte, könnte auf einer Eisenbahnfahrt durch die schottischen Highlands wahrscheinlich ebenfalls einen tollen Eindruck von diesem wilden Land bekommen. Und so flogen wir von Dundee zunächst nach Nordwesten um dann in einer Kurve über Loch Linnhe und Loch Lochy bis zum berühmten Loch Ness. Vom südwestlichen Ende bis zum nordöstlichen flogen wir über das bekannteste Loch in Schottland und hielten intensiv Ausschau nach Nessie. Aber abgesehen von einigen Booten und reichlich Touristen an der bekannten Ruine von Urquhart Castle das sich etwa in der Mitte von Loch Ness am Nordufer befindet haben wir keine Ungeheuer bemerkt.

Highlands Schottland

Die schottischen Highlands

Da Loch Ness mit etwa 37 km Länge und im Schnitt 1,5 km Breite nicht ganz klein ist kann man aber auch ein großes Ungeheuer schnell mal übersehen. Nicht zu übersehen war aber Inverness. Die größte Stadt im Norden Schottlands liegt direkt am nordöstlichen Ende von Loch Ness und verfügt über einen Flughafen der einen auch per Airliner in die Highlands kommen läßt.

Lochs in Schottland

Die schottischen Loch´s

Mit etwa 50.000 Einwohnern ist Inverness aber für unsere Verhältnisse immer noch eine Kleinstadt. Und so flogen wir zügig an Inverness vorbei zu unserem Tagesziel Insch. Der Flugplatz Insch wurde von Bekannten als sehr attraktiv empfohlen und noch vor der Kontrollzone von Aberdeen gelegen eine gute Idee für eine Übernachtung vor unserem letzten Step ganz in den Norden von Schottland.

Inverness Schottland Flug

Flug über Inverness in Schottland

Urquhart Castle Loch Ness

Die Ruine Urquhart Castle am Loch Ness

Insch Flugplatz Schottland

Der Turm und die Flugleitung am Flugplatz Insch

So freuten wir uns schon auf Insch und mußten die Graspiste ähnlich wie in Kingsmuir zunächst einmal überhaupt finden zwischen all den Hügeln des schottischen Hochlandes. Und das war gar nicht so einfach. Erst nach dem Überflug eines Hügels von Süden sahen wir den Platz direkt unter uns liegen. Da wir keine feste Platzrunde vorgegeben hatten konnten wir uns also aussuchen wo wir den Gegenanflug beginnen wollen. Und so entschlossen wir uns es von Norden zu versuchen da hier der „Hügel“ nicht so hoch aussah. Aber direkt im Queranflug stellte sich die Frage ob ich vor dem direkt vor mir liegenden Hügel oder erst dahinter in den Endanflug gehen sollte….? Die Piste war erst sehr spät zu sehen und so kam ich viel zu hoch über den Hügel und konnte nur noch durchstarten. Erst beim zweiten Anflug habe ich den „Trick“ verstanden. Man muß von Norden noch vor dem Hügel in das Final gehen und muss beim eindrehen in das Final (Endanflug) noch unterhalb der Hügelspitze fliegen. Die rechte Fläche war gefühlt nur 50 Meter vom Hügel entfernt. Den Sinkflug erledigt man parallel zum abfallenden Gelände und muss aber dann aufpassen da die Graspiste ab der Schwelle sofort wieder ansteigend ist. Und durchstarten in die Richtung muss frühzeitig entschieden werden da am Ende der Piste eine etwa 10 m hohe Stromleitung genau darüber geht. Also insgesamt ein Paket das optisch harmlos vom Boden aussieht und auch in der Luft zunächst sehr einfach wirkt. Und es ist auch einfach sofern man weiß das man im Queranflug sehr niedrig auf einen Hügel zufliegen muss um dann die Kurve davor zu kriegen. Wie „üblich“ wurden wir herzlich willkommen geheißen und Ken dem der Flugplatz gehört (Ken war früher mal Controller in Aberdeen und schraubt an seinem selbstgebastelten Auto rum…) und der selbst ein leidenschaftlicher Privatpilot ist bot uns gleich an direkt neben dem Flugzeug unser Zelt aufbauen zu können. Und eins zwei drei kamen noch einige Freunde vorbei und wir erzählten von unserer Reise, von Deutschland und dem was wir noch vorhatten.

Flugplatz Insch Platzrunde

Platzrunde mit Hügel im Anflug von Insch

Herrlich wie man als Pilot überall so schnell und unkompliziert mit interessanten Leuten ins Gespräch kommt. Und so erfuhren wir einiges über Schottland und unsere Gastgeber über unsere Erlebnisse. Und weil wir in Schottland mit richtigen Schotten zusammen waren hat Ken auch sehr leckeren Whiskey aus der Nachbarschaft spendiert. Wir erfuhren, das man nur 10 Minuten mit dem Auto vom Flugplatz Insch (derFlugplatz liegt etwas außerhalb von Insch) entfernt eine Distillery Tour beginnen kann, auf der man locker 10 Whiskey Destillerien besuchen könnte. Das dies nicht ohne Fahrer geht ist klar…. Nach der Aufwärmphase in Kens Flugplatzzentrale fuhren wir alle zusammen in einen Pub und genossen noch etwas Bier und eine warme Mahlzeit. Am Ende des Tages hatten wir sehr viel Spaß und gingen zufrieden in die Schlafsäcke. Am nächsten Morgen wurden wir zu einem deftigen schottischen Frühstück eingeladen. Der Grill wurde angeschmissen und Speck, Black Pudding (eine dunkle Innereienwurst) etc. kam darauf und zusammen mit Brot und Ei war das Frühstück fertig. Hört sich für den deutschen Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig und deftig an, war aber lecker. Und ganz nebenbei… fragen Sie mal ihren Fleischer woraus Stippgrütze gemacht ist…Und nach hervorragendem Whiskey am Vorabend war das schon die richtige Idee. Nach dem Frühstück (wie sollte es auch anders sein 🙂 ) hat uns Ken 2 seiner großen 20 Liter Kanister geliehen und ein Freund von ihm brachte uns noch schnell an der ca. 10 km entfernten Tankstelle vorbei um 40 Liter feinstes Mogas zu tanken. Er war auch nicht dazu zu überreden sich zumindest auf ein Eis einladen zu lassen. Während wir mit dem Auto zur Tankstelle fuhren flog Ken mit seinem Flugzeug über uns rüber und erzählte nach der Landung er hätte schon mal mit Wick per Funk gesprochen und mitgeteilt das wir kommen wollen.

Flugplatz Wick Schottland

Der Flugplatz Wick in Schottland

So machten wir uns nach dem tanken abflugbereit, trugen uns noch in das Flugplatzbuch ein und fragten Ken nach den Gebühren für Landung, parken, zelten, Frühstück, tanken usw. usw. Aber Ken meinte nur das Gäste aus Deutschland bei ihm frei sind und lachte. Ach so W-Lan konnte wir bei ihm auch kostenlos nutzen…solange sein Dieselgenerator zur Stromversorung lief. Und den ließ er noch ein wenig länger laufen. Schließlich haben wir ja noch unseren täglichen Wettercheck gemacht. Also ihr Lieben da oben im Norden. Es war eine tolle Zeit und ich komme bestimmt mal wieder. Vielen Dank für so viel Gastfreundschaft.

Wir starteten zu unserem letzten Flug vor der Atlantiketappe mit dem Ziel Wick. Der Flugplatz Wick wird gerne von Piloten für eine Atlantiküberquerung genutzt. Hier finden sich alle Einrichtungen, inklusive riesigem Hangar, die man benötigt um sein Flugzeug und sich selbst auf diese Aufgabe vorzubereiten. Die geographische Lage macht es offensichtlich. Wick ist das Tor zum Atlantik. Nur wenige Meilen westlich beginnt der große Teich und kleine Flugzeuge mit begrenzter Reichweite können nur die Nordroute über den Atlantik nehmen. Also von Schottland aus entlang den Faroer Inseln, Island, Grönland und Nordkanada. Wir wollten aber nur die Hälfte des Weges machen und es standen „nur“ knapp 1000 km über Wasser auf dem Plan sofern man nicht in Vagar auf den Faroer Inseln landen würde. Von der Reichweite unseres Ultraleichtflugzeuges CT her betrachtet überhaupt kein Problem. Doch auch wenn man mit Überlebensanzug, Rettungsinsel, Schwimmweste, Neoprenfüsslingen, Kopfhaube, Handschuhe sowie Pyrotechnik, Satellitentelefon und Wasservorrat ausgestattet und bestmöglich auf eine Notwasserung vorbereit ist, bleibt der Nordatlantik eine ernst zu nehmende Aufgabe.

CT Ultraleichtflugzeug Check

Wartung und Check vor dem Flug über den Atlantik

Deshalb hat Harro das Flugzeug noch einmal über 3 Stunden einer peniblen Wartung unterzogen. Jede Schraube, Schelle, Dichtung und Schlauch, jedes Kabel und jede noch so kleine Oberfläche wurde mit Taschenlampe, Spiegel und Werkzeug geprüft. Eine Grundreinigung der Oberfläche des Flugzeuges war ebenso dabei. Nach einem Probelauf des Motors und erneutem Check war das Flugzeug soweit startklar.

Andrew Bruce der Chef  der Flugplatz Dienstleistungsfirma Far North Aviation hat uns nicht nur seinen Hangarplatz vermietet und für AVGAS (Mogas gibt es dort leider nicht) gesorgt sondern war auch so freundlich uns einen Platz in einem Hostel im Ort zu besorgen. So gingen wir zu Fuß vom Flugplatz Wick in etwa 20 Minuten in den Ort und bezogen unser Zimmer. W-lan war vor Ort vorhanden und so prüften wir sehr intensiv die Wetterinformationen von insgesamt 3 Diensten!

Wick Airport Vorfeld

Das Vorfeld von Wick Airport (fotografiert aus dem Büro von Far North Aviation)

Das Wetter kann sich über dem Atlantik recht schnell ändern und Spielraum für dumme Fehleinschätzungen gibt es nicht. Am Ende besteht die Möglichkeit das man sogar für längere Zeit keine Atlantiküberquerung wagen kann wenn das Wetter eine Front nach der anderen für den Flugweg parat hält. Allerdings ist es mehr als unwahrscheinlich das man einen Tag findet an dem von Nordschottland bis nach Island die ganze Strecke unter CAVOK Bedingungen also beste Sicht, kein Regen und wenig Wind zu fliegen wäre. Und so sucht man realistisch nach dem bestmöglichen Kompromiss. Also ein Wetter das fliegbar aber nicht unbedingt perfekt wäre. Und von den 3 Tagen die man als halbwegs zuverlässig in den Prognosen der Wetterdienste sehen konnte bot tatsächlich schon der nächste Tag eine gute Chance. Allerdings waren die Vorläufer einer Front die von Südwesten her Richtung Nordschottland zog schon im Anmarsch und wir mussten mit relativ tiefen Wolken direkt nach dem Start rechnen welche aber nur ein kleines Band wären und schnell hinter uns lägen.

Ultraleichtflugzeug vor Atlantikflug

Bereit für den Flug über den Atlantik

Danach war die ganze Vorhersage soweit prima. Wir könnten an diesem Tag ebenso in Vagar auf den Faroer Inseln landen wenn uns danach wäre aber ebenso bis nach Island zum Flugplatz Egilstadir durchfliegen da dort auch alles klar angesagt war. Schon einen Tag später bzw. den Tag darauf wäre die Option mit Vagar nicht mehr möglich gewesen. Und ich fliege gern mit Optionen in der Hinterhand. Wenn ich in Vagar landen kann aber nicht muss ist mir das lieber als wenn ich in jedem Fall nach Island durchfliegen muss. Ebenso ist mir bekanntes aber eben nicht optimales Wetter mit vollem Tank am Abflugort lieber als evtl. durchwachsen zu beurteilendes Wetter am Zielort mit leerem Tank wo ich in jedem Fall landen muss. Wir starteten mit einer ordentlichen Briese Wind auf der Nase zur Mittagszeit in Wick Schottland und begaben uns auf eine 6 1/2 Stunden dauernde Reise über die Weiten des kalten Nordatlantik. Kurs Island direkt an den Faroer Inseln vorbei. Wenn wir an den Faroer Inseln wären wollten wir entscheiden ob wir landen oder einfach weiterfliegen. Aber eigentlich war schon klar das wir nur landen würden, wenn es technisch oder physisch notwendig wäre. Dem mäßigen Wetter in Wick, das auf der weiteren Strecke wie vorhergesagt stetig besser wurde, flogen wir einfach davon.

Eine einmalige Reise lag bis jetzt schon hinter uns. Den ersten Teil unseres Fluges von Deutschland nach Holland finden Sie hier: http://www.privatrundflug.de/deutschland-holland-mit-dem-ultraleichtflugzeug-nach-island/

Der Flugbericht zu unserem Flug über den Atlantik in das Land aus Feuer und Eis kommt demnächst. Island ist ein Traum für Flieger….Sie werden sehen!

Und hier ist er: http://www.privatrundflug.de/fliegen-in-island-mit-dem-ultraleichtflugzeug-zwischen-gletscher-und-vulkane/

Flug über die Weiten des Atlantik mit Ultraleichtflugzeug

Im Ultraleichtflugzeug über dem Atlantischen Ozean

 

Über den Autor

Anzahl der Artikel : 27

Kommentare (1)

Schreibe einen neuen Kommentar

Blog für Privatpiloten und Fluginteressierte © 2012 Powered By privatrundflug.de

Scrolle zum Anfang