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Deutschland – Holland / Mit dem Ultraleichtflugzeug nach Island

Deutschland – Holland / Mit dem Ultraleichtflugzeug nach Island

Flugplatz Stadtlohn

Als Pilot träumt man gerne von Flügen über fantastische Landschaften. Fliegerische Herausforderungen sind das Salz in der Suppe und wer einmalige Erlebnisse sucht braucht eine gewisse Bereitschaft die eigenen Grenzen neu zu definieren. In diesem Sinne war die Idee mit einem Ultraleichtflugzeug, einer CT von Flight Design, nach Island zu fliegen extrem spannend. So entschloss ich mich dieses Abenteuer zu wagen und zusammen mit meinem Fliegerkameraden Harro auf diese Reise zu gehen. Als VFR Flieger (Sichtflugbedingungen) war klar das das Wetter den Terminplan und die Flugrouten bis zu einem gewissen Grad bestimmen würde und so konnten wir weder feste Übernachtungsplätze noch Zeiten festlegen. 100 % Flexibilität war gefragt und da wir auch an Orte fliegen wollten in denen es mehr Natur als Menschen geben würde war das Zelt, der Schlafsack und die Isomatte schon die logische Wahl um sicher eine Mütze voll Schlaf zu bekommen.

Vorfeld Flugplatz Stadtlohn

Vorfeld Flugplatz Stadtlohn

Der angenehme Nebeneffekt…. es würde dadurch automatisch die Reisekasse erheblich schonen. Aber….Komfort oder gar Luxus war auf diesem Rundflug nicht zu erwarten.

Das Credo war von Anfang an „reduce to the max“ zu deutsch reduzieren bis zum Maximum oder einfach weglassen was geht. Die CT ist ein phantastisches Reiseflugzeug mit Gepäckfächern von denen andere Flugzeuge nur träumen können. Aber es ist eben immer noch ein „kleines“ Ultraleichtflugzeug und deshalb wurde jedes T-Shirt und jede Hose auf den Prüfstand gestellt.

Nijmegen Holland Luftbild

Die Stadt Nijmegen in Holland

Am Ende bedeutete die Gesamtrezeptur definitiv das verlassen der eigenen Komfortzone. Aber das tut einem 45 jährigen Unternehmensberater und Piloten der seit über 20 Jahren einen gewissen Reisekomfort gepflegt hat auch mal ganz gut. Und es ist überraschend wie schnell das Unbehagen einer Nacht auf einer Isomatte abnimmt, wenn man dies erstens in der „richtigen“ Umgebung übt und zweitens fortlaufend trainiert. Allen Wohlstandsverwöhnten sei gesagt: Man muss das nicht machen und vielleicht verflucht man auch seine Idee das überhaupt angefangen zu haben. Aber es ist ein wenig wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und erinnert daran, das man in frühen Jugendtagen oft mit noch viel weniger Mitteln bzw. Komfort die Welt entdeckt hat. Also alles auf Anfang!

Gewächshäuser in Holland aus der Luft

Gewächshäuser für holländische Tomaten

Nachdem das Flugzeug technisch ausgiebig vorbereitet und gewartet war und der Abflug für Anfang Juli 2013 festgesetzt wurde konnte es am 04. Juli dann also losgehen. Harro sollte mich in Porta Westfalica abholen und das erste Tagesziel sollte der Zeeland Flugzplatz in Middelburg Holland sein. Aber Deutschland war wettertechnisch zweigeteilt. Während Porta Westfalica und der Westen den ganzen Tag über ordentliches Flugwetter hatte war der Osten Deutschlands ab etwa Magdeburg bis zum Nachmittag einfach nur schlecht. Regen, miese Sicht und tief hängende Wolken. So wurde aus dem gedachten Vormittag als Abflugzeitpunkt erst Nachmittag, da Harro aus Berlin kam. Aber besser spät als nie… und so führte der erste Step nach Stadtlohn.

Wetterbesserung im Westen von Holland

Besseres Wetter an der holländischen Westküste

Dort direkt an der holländischen Grenze wurde noch einmal das Wetter gecheckt und da nicht perfekt aber fliegbar schlussendlich der Flugplan nach Middelburg an der Westküste von Holland aufgegeben. Der Flug führte uns über relativ unspektakuläre und flache Agrarflächen. Aber was sollte uns auch in Holland anderes erwarten. Über die Stadt Nijmegen hinweg folgten wir dem Rhein bzw. dem Rheindelta weiter nach Westen. Zwischendurch zogen Schauer durch unseren Flugweg die aber nur kurzfristig die Sicht reduzierten und die Wolkenuntergrenze nach unten brachte.

Niederlande Rheindelta

Das Rheindelta in den Niederlanden

Aber der Hozizont versprach wie prognostiziert Gutes. So zu sagen das Licht am Ende des Tunnels war an der Nordseeküste deutlich zu sehen und so landeten wir bei schönem Sonnenschein auf dem Zeeland Airport von Middelburg in Holland. Und keine Minute zu früh oder zu spät. Nachdem wir gelandet waren hatten wir das große Glück das die nette Mitarbeiterin und ihre Kollegen auf dem Turm im Middelburg für uns nach Übernachtungsmöglichkeiten recherchierten und uns trotz Saison auf einem Campingplatz etwa 7 Minuten mit dem Auto entfernt vom Flugplatz eine günstige Bleibe vermitteln konnten.

Queranflug Zeeland Airport in Middelburg

Queranflug Zeeland Airport Middelburg

Und da der Flugplatz sowieso 15 Minuten später schließen würde hat die nette Mitarbeiterin mich auch noch in ihrem Auto schnell dort vorbeigebracht….denn die Rezeption auf dem Campingplatz wollte auch schon schließen und zu Fuß hätten wir das nicht mehr rechtzeitig geschafft. Busse oder Taxis waren auch nicht vor Ort.  Also hier noch mal ein ganz großes Dankeschön an die tollen Leute in Middelburg auf dem Zeeland Airport.

Zeeland Airport Endanflug

Endanflug Flugplatz Zeeland in Middelburg

Alle diese kleinen „Zufälle“ sollten uns aber auch in den nächsten Tagen wie ein roter Faden durch dieses Abenteuer begleiten. Und dies war eine der größten positiven Erfahrungen für mich in den letzten Jahren. So viel Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Flexibilität habe ich nicht erwartet und bin noch heute tief beeindruckt wie sich die Dinge einfach fügen. Zu sagen „Schwein gehabt“ würde diesem immer wiederkehrenden Glück nicht gerecht werden und deshalb freue ich mich aus tiefster Überzeugung jeden ermutigen zu können bis zu einem gewissen Grad „planlos“ auf Reisen zu gehen.

Zwergenhütte Campingplatz Holland

Übernachtung in der holländischen Zwergenhütte

Ich selbst gehöre zu jenen, die gerne vorher wissen möchten was hinterher passiert. Aber mit einem Zelt im Gepäck ist das Risiko überhaupt kein Dach über dem Kopf zu haben ja eigentlich nicht vorhanden und deshalb kann man sich dieser Ungewissheit entspannt gegenüber zeigen.

Zwergenhütte Raum Campingplatz Middelburg

Die Zwergenhütte von innen

Der Campingplatz offerierte die ganze Bandbreite an Übernachtungsmöglichkeiten, von den Zwerghütten (von denen wir eine bekommen haben) über die Challets bis hin zu netten Wochenendhäusern direkt an einem der Ausläufer der Nordsee mit eigenem Bootsanleger zwischen den Häusern. Hier entspannt sich die Upper Class.  Und so verbrachte ich meine erste Nacht auf einem Campingplatz unserer holländischen Nachbarn die für ihre Campingkultur bekannt sind.

Unsere Zwerghütte wurde ihrem Namen gerecht. 2 Doppelbetten mit einem Waschbecken und fließend kaltem Wasser und 4 Gartenstühle vor der Zwerghütte… das war es. Das zentrale Waschhaus mit Duschen und Toiletten stand aber jedem Campingplatzbesucher zur Verfügung und der kleine Campingplatz Supermarkt  sowie ein Imbiss sorgten für den Rest.

Luxus Wochenendhäuser in Holland

Luxus Wochenendhäuser am Middelburger Campingplatz

Am nächsten Morgen nahm uns  nach dem auschecken ein netter Mitarbeiter des Campingplatzes in seinem Transporter mit zum Flugplatz so das wir ausreichend betankt unsere erste Wasseretappe über die Nordsee nach England vorbereiten konnten. Dazu gehörte auch die formale Benachrichtigung an die Aviation Authority das wir mit einem UL Ultraleichtflugzeug nach England fliegen möchten. Interessant hierbei ist das sich Echo Piloten also Motorflugzeuge ohne diese formale Benachrichtigung einfach mit normalem Flugplan in Großbritannien bewegen dürfen aber UL`s eine 30 Tage gültige Überflugberechtigung brauchen die auch noch etwa 75 Pfund kostet. Also vor einem Flug nach England mit einem Ultraleichtflugzeug undbedingt vorher eine Genehmigung einholen.

Flugvorbereitung Überquerung Nordsee

Der Autor mit CT Rettungsinsel und Überlebensanzug

Dies etwa 4 Wochen vorher zu machen schadet nicht. Nach einem gründlichen Wettercheck war klar das alle Ampeln auf Grün bzw. GAFOR Blau sprangen.

Aber auch im Sommer ist die Nordsee kein Planschbecken und so kamen zum ersten Mal unsere Überlebensanzüge zum Einsatz. Dies sind Trockenanzüge mit extrem eng anliegenden Gummimanschetten an Armen, Beinen und Hals sowie dichten Reißverschlüssen, so das kein Wasser eintreten kann. An den Füßen trugen wir Neoprenfüßlinge die auch in kaltem Wasser eine ausreichende Wärmeisolierung gewährleisten sollten. Sogar eine Neopren Kopfhaube und Handschuhe waren dabei und natürlich eine aufblasbare Schwimmweste so das wir theoretisch mehrere Stunden im Wasser liegen könnten ohne durch die Folgen einer Unterkühlung in ernsthafte Schwierigkeiten zu kommen. Spezial Unterwäsche mit langen Armen und Beinen hat hier auch seinen Beitrag geleistet.

Zeeland Flugplatz Middelburg

Tschüss Zeeland Airport – schwitzen im Überlebensanzug

Eine kleine 2 Mann Rettungsinsel war auch dabei und so waren wir auf eine Notwasserung gut vorbereitet. Die Frage die man sich nach einer überstandenen Notwasserung stellen muss ist einfach….wie lange brauche ich um in die Rettungsinsel zu kommen? Ohne ausreichende Wärmeisolierung bleiben im kalten Wasser nur wenige Minuten um handlungsfähig zu bleiben. Sollte man innerhalb dieser kurzen Zeitspanne nicht in der Rettungsinsel liegen versagen die Muskeln aufgrund der Unterkühlung den Dienst und man hat nicht mehr die Kraft sich hineinzuziehen oder dem Partner zu helfen. Im warmen Mittelmeer mag diese Zeitspanne naturgemäß größer sein aber die Nordsee oder gar der Nordatlantik lassen hier keine Spielräume. Und selbst wenn man es völlig durchnässt in die Rettungsinsel geschafft hat braucht man unbedingt trockene und warme Klamotten die man in einem wasserdichten Beutel mitführen muss um nicht in der Rettungsinsel beim warten auf Hilfe Probleme mit der Unterkühlung zu bekommen. Auch wenn der Flug nur etwa eine Stunde über Wasser ging und zahlreiche Schiffe zwischen Holland und England von und in Richtung Ärmelkanal unterwegs waren war die Devise stets Safety first!

Überquerung der Nordsee nach England

Nordseeüberquerung mit Kurs England

Und so starteten wir schon am zweiten Tag unseres Rundfluges von den Niederlanden aus mit dem Ziel England. Den Bericht hierzu finden Sie hier: http://www.privatrundflug.de/england-schottland-mit-dem-ultraleichtflugzeug-nach-island/

Und die letzte Etappe mit unserem Flug über den Atlantik und den Rundflug Erlebnissen auf Island finden Sie hier: http://www.privatrundflug.de/fliegen-in-island-mit-dem-ultraleichtflugzeug-zwischen-gletscher-und-vulkane/

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